Der heutige Beitrag stammt zwar nicht aus meiner Feder, hätte es aber genauso gut sein können. Was Jessi vom Blog Terrorpüppi – eine besondere Spezies Kind beschreibt, kann ich absolut nachvollziehen. Mitunter gehen mir ganz ähnliche Gedanken durch den Kopf, wenn ich mir mit meinen Süßen auf den Spielplätzen dieser Welt die Zeit vertreibe.

Dämonen der Vergangenheit – Glück der Gegenwart

Manchmal lässt einen die Vergangenheit nicht los und Erinnerungen holen einen ein. Dämonen der Vergangenheit. So kam es, dass eine Beobachtung mich an diesem Tag, an dem sonst nichts Ungewöhnliches geschah, gleich gute 20 Jahre zurück in die Zeit katapultierte.

Wie so oft in den letzten Wochen und Monaten stehe ich auf dem Spielplatz. Immer häufiger kommt es dabei vor, dass sich meine Püppi für einige Zeit selbst beschäftigt und mir lediglich von weitem zuwinkt. So ist es auch in diesem Augenblick.

 

Heute: Du darfst hier nicht mitspielen! 

Ich träume vor mich hin, genieße das tolle Wetter und ein wenig auch die Ruhe, denn der Spielplatz ist trotz des herrlichen Wetters erstaunlich leer.

2014-06-15 15.12.17Aus meinen Träumen reißt mich jedoch ein leises Schluchzen. Ich schrecke auf, denn für einen winzig kurzen Moment befürchte ich, dass es meine Tochter sein könnte. Aber schnell wird mir klar, dass es von einem anderen kleinen Mädchen stammt. Das Mädchen ist schon älter als meine Tochter. Es fällt mir schwer, das Alter einzuschätzen. Sie ist vielleicht 7 oder 8 Jahre alt. Womöglich älter. Aber das spielt ja auch eigentlich keine Rolle, denn mir blutet gerade einfach nur das Herz. Ich sehe dem Mädchen seine Traurigkeit an. Offensichtlich versucht sie ihre Tränen zu unterdrücken und ist bemüht darin, den anderen Mädchen ihre Enttäuschung nicht zu zeigen. Sie versucht stark zu sein und allein zu spielen. Trotzdem blickt sie immer wieder zu einer Gruppe von Mädchen, die weiter entfernt spielen. Aus meiner Perspektive ist es nicht so recht zu erkennen, was sie da spielen. Was ich aber erkennen kann, ist, dass sie immer wieder zu diesem Mädchen hinüberblicken. Sie zeigen mit den Fingern auf sie, lachen und machen abwertende Geräusche.

Damals: Ich wollte doch nur gemocht werden 

Plötzlich bin ich wieder 10 Jahre alt, noch auf der Grundschule und wünsche mir nichts sehnlicher, als auf dem Schulhof mitspielen zu dürfen. Gemocht zu werden. Ich kann die Stiche so spüren, als würden sie mir genau in diesem Augenblick zugefügt. Ich möchte mitspielen, aber darf es nicht und wenn ich es doch darf, dann steht die ganze Zeit unausgesprochen im Raum, dass mein Spielglück gleich wieder beendet werden könnte.

Spielplatz BerlinIch erinnerte mich daran, dass ich sogar sehr oft mitspielen durfte, aber dass ich immer wieder darum kämpfen musste, dazu zu gehören. Lange Zeit blieb es mir verwehrt, von meinen Mitschülern meiner selbst Willen gemocht zu werden.

Zu meinem Glück wurde ich nicht gehänselt. Diese armen Tropfe hatten es definitiv viel schwerer als ich – und trotzdem erinnere ich mich an so viele Situationen noch heute schmerzlich. Oft fiel es mir schwer ich selbst zu sein, weil ich so sehr darauf bedacht war, den anderen zu gefallen.

Die Ablehnung hat mich stärker gemacht. Sie hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Doch das macht es niemals einfacher. Niemals erträgt es sich deshalb leichter. Ich glaube, letztlich will jeder gemocht werden, aber nicht jeder ist bereit jeden Preis dafür zu bezahlen. Vermutlich gehören Ablehnungserfahrungen sogar dazu, wenn man zu einer Persönlichkeit heranreifen will, die es vermag, sich gegenüber anderen erfolgreich. Ich bin zu einer Person geworden, die weiß, wo sie steht, selbst wenn sich alles andere dreht.

Doch in diesem Augenblick, im Hier und Jetzt, auf dem Spielplatz, bin ich wieder das kleine Mädchen aus der Grundschulzeit, welches doch eigentlich nur gemocht werden wollte. Ich erkenne mich für diesen Moment in dem schluchzenden Mädchen auf dem Spielplatz wieder; in dem Mädchen, welches dort steht und den Spott der anderen Mädchen ertragen muss. 2014-06-15 15.19.10

Morgen: Sei stark meine Püppi!

Erneut werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Laut schallt es über den Spielplatz: „Maaaama! Maaaaama!“. Ich lasse das schluchzende Mädchen hinter mir zurück und laufe schnell zur Püppi. Stolz hat sie das Klettergerüst erklommen und sitzt nun auf der Rutsche. Sie strahlt mich so voller Glück an, dass sich in mir unglaublich viel Wärme ausbreitet. Was sie mit ihren 19 Monaten nun schon alles kann, erfüllt mich mit wahnsinnigem mütterlichen Stolz. Es ist mir dabei völlig egal, was all die anderen Zwerge schon können oder nicht können. Ich bin einfach um ihretwegen stolz. Mein großes wunderbares Mädchen!slip-381940_1280

Ich weiß, dass es nicht immer so sein wird. Nicht immer wird sie so unerhört freudestrahlend hier auf der Rutsche spielen. Vermutlich wird sie auch mal so ein kleines Mädchen sein, das mal nicht mitspielen darf. Inständig aber hoffe ich, dass ich sie darauf vorbereiten werde, indem ich ihr die Stärke mitgebe, die sie brauchst, um mit Ablehnungen umzugehen. Ich wünsche mir, dass sie in Zukunft, wenn sie Traurigkeit verspürt, stets wissen wird, dass ich da bin und dann stark sein werde, wenn sie es mal nicht sein kann.

Beim Verlassen des Spielplatz schweifen meine Blicke erneut umher, aber ich kann das kleine Mädchen zunächst nicht entdecken. Dann entdecke ich sie doch noch und es beschwingt mich, sie spielen zu sehen: Nicht allein, sondern mit einem anderen kleinen Mädchen.

Herzlichen Dank für diesen Gedankenanstoß und den Blick auf deine Dämonen der Vergangenheit, lieb Jessi!

Und jetzt mal „Butter bei die Fische“: Wer von euch kennt diese Gedanken? Habt ihr euch auch mal abstrampeln müssen, um irgendwie dazuzugehören oder überhaupt wahrgenommen zu werden? Oder kennt ihr solche Beobachtungen aus anderen Kontexten? Ich möchte was von euch lesen 🙂

Gefällt dir der Beitrag? Dann freue ich mich übers Teilen 🙂

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