Hast du schon mal ein AHA-Erlebnis gehabt? bestimmt, was für eine Frage?! Aber hast du auch schon mal solch eines gehabt, das die Sicht auf dich und dein Leben komplett verändert hat? Ich glaube, sowas hat man nicht allzu oft. Also mir geht es jedenfalls so. Da gibt es zwar schon so einige, aber eines ist für mich ganz besonders erhellend. Seitdem ich mir dies bewusst gemacht habe, gehe ich ganz anders durch die Welt: Mit einer Glühbirne, also beleuchtet. Ach nee, klingt irgendwie doof. Ich beschreibe es mal anders…

Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Die Tragik ist jedoch, dass man auf die geschlossene Tür blick und die offene nicht beachtet.

Dieser viel zitierte Text von André Gide ziert sogar Postkarten und ich selbst habe das gar nicht recht beachtet. Ja belächelt sogar. Für mich war jede geschlossene Tür ein Weltuntergang. Die „big Drama-Queen herself“  – damit bin ich gemeint – lag dann am Boden und philosophierte über die Ungerechtigkeit im eigenen Kosmos. „Alles blöd, keiner mag mich, mir gelingt nichts“ und so weiter. Meine derartige Litanei und Selbstkasteiung, die darauf folgte, verblendete mir stets die Sicht auf das Kommende. Das Spannende und Neuartige, was nun vor mir liegt. Nein, diese Sicht war definitiv vernebelt!

Mein AHA-Erlebnis, das mich von der nebelumhüllten Denkweise befreit hat, versuche ich mal kurz in Worte zu fassen:

Ich stehe auf einem riesigen Trümmerhaufen. Meine Ehe ist dahin. Alles, was ich haben wollte, ist weg. Kein Mann, kein Haus – gut, das Auto ist noch da (kleiner Wink auf die Werbung: meine Frau, mein Haus, mein Schiff). Mit Baby auf dem Arm ab in eine neue Wohnung. Allein. Irgendwie hilflos und verloren. Traum zerplatzt. Tür zu. Offene Tür, wo bist du? Ein Jahr später dann eine Idee: Ich könnte ja mal studieren gehen, hab ja noch Elternzeit und irgendwie wollte ich das ja schon immer mal tun. Warum nicht jetzt? Der Vorsatz wurde in die Tat umgesetzt und schon nach den ersten Semestern war klar, dass hier eine offene Tür ist. Hätte die Ehe funktioniert, hätte ich meinen alten Job nach dem ersten Jahr der Elternzeit wieder aufgenommen. Ich hätte wahrscheinlich nicht die Kontakte gehabt, die ich als Alleinerziehende mit Baby hatte und dadurch nicht die Menschen kennengelernt, die mich auf meine Idee mit dem späten Studium gebracht hätten. Und schlussendlich hätte ich ohne das Studium nicht meine wahre berufliche Passion gefunden, denn in meinem alten Job war ich auch sehr zufrieden, hätte ihn nur nicht so richtig mit den familiären Pflichten schulpflichtiger Kinder vereinbaren können – glaube ich. Und damit hat der einstige private Trümmerhaufen eine Kettenreaktion losgetreten: Neue berufliche Orientierung, erweiterter Freundeskreis, neue soziale Identität und was das Wichtigste am Ganzen ist, ein absolut neues Lebensgefühl, das wahrlich beflügeln kann!

Freiheit

Mit diesem Wissen, dass alles – auch wenn es zu Beginn noch so traurig, deprimierend, schlichtweg tragisch oder noch deutlicher formuliert SCHEISSE ist – für alles eine Berechtigung hat, verbindet sich mein wegweisendes AHA-Erlebnis: Nichts passiert ohne Grund, es ist immer für irgendetwas anderes gut! Seitdem ich mir dies bewusst gemacht habe, kann ich lächelnd durch die Straßen ziehen und meinen Blick voller Vorfreude in die Zukunft richten. Naja, ganz so überschwänglich bin ich dann doch nicht, aber meine Einstellung hat sich durch das Bewusstwerden dessen, was das o.g. Zitat aussagt, deutlich positiv verändert.

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Blogparade von WP Coach Caddy entstanden. Weitere AHA-Erlebnisse könnt ihr dort einsehen.

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5 comments on “Das mit den AHA-Erlebnissen”

  1. Ja diese Kettenreaktionen, an die man zuvor nicht gedacht hat, sind schon erstaunlich. Hätte ich nicht beruflich noch mal neu angefangen, würde ich wahrscheinlich immer noch gefrustet im Büro sitzen und mich jeden Tag langweilen!

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Hallo Yvonne,

    hihi, beim Lesen Deiner Artikel sind meine Mundwinkel unweigerlich immer wieder nach oben gegangen. Nicht weil deine Erlebnisse lustig gewesen wären, sondern weil ich auch mehrere ähnliche Erlebnisse hatte.
    Ich habe immer bekommen, was ich brauchte.
    Aber das war nicht immer das, was ich wollte 🙂

    Danke für die Teilnahme an der Blogparade.
    Ich überlege schon, wie ich Deine Erkenntnis zeichnen werde.

    Liebe Grüße,
    David

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