***Rezension*** Depressionen abzugeben! Diesen Satz könnten wohl viele Betroffene von sich geben. Wer ist schon froh darüber, sich mit Depressionen plagen zu müssen… Aber wie so oft im Leben, kommt dies auch ganz auf den Blickwinkel an. Bevor ich mir selbst eingestanden hatte, mit dieser Krankheit zu leben, vergingen viele Jahre. Bis ich mich schlussendlich öffnete und meinen Zusammenbruch als Wink des Schicksals angenommen habe, habe ich meine Krankheit lediglich als persönliche Schwäche gesehen und nie im Leben auf die Krankheit Depression zurückgeführt. Somit ist der Ausdruck – sich mit Depressionen zu plagen – für viele meiner Lebensjahre eher ein nicht anwendbarer Begriff. Doch hätte ich „meine Eigenarten“ damals als Depression identifiziert, hätte ich sicherlich auch lauthals „Depressionen abzugeben“ gerufen.

Warum ich „Depressionen abzugeben“ unbedingt lesen musste …

Nicht nur als Betroffene war ich auf dieses Buch von Uwe Hauck sehr neugierig. In der Bloggerszene ist Uwe nämlich recht bekannt – eine Rezension zu seinem Autorendebüt schreiben zu können, ist damit auch eine besonders emotionale Geschichte. Wie sprechen mich seine Erfahrungen #ausderklapse an und wird es Ähnlichkeiten zu meinem Weg in die psychiatrische Klinik geben? Fragen, die mich vor der Lieferung des Buches beschäftigt haben und letztendlich auch dafür sorgten, dass ich das Buch gar nicht so schnell durchlesen konnte. Das Buch ist wirklich sehr kurzweilig und humorvoll geschrieben – normalerweise hätte ich es in wenigen Tagen durchgelesen haben können. Doch bei mir war das dann doch etwas anders…

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Erfahrungen #ausderklapse

Klapse, Klapsmühle, Irrenanstalt, Psychoheim oder was es sonst noch für umgangssprachliche Namen für psychiatrische Kliniken gibt. Im Grunde genommen beinhalten all diese Begriffe irgendetwas Unheimliches. Ich selbst hatte damals Vorstellungen, die mich durch schlecht gemachte Szenen in Film und Fernsehen an eine Einrichtung denken ließ, in der es nichts zu lachen geben würde. Doch dann erlebte ich das ganze Gegenteil.

Das, was Uwe in seinem Buch schildert, habe ich in ähnlicher Weise erleben dürfen. Und genau dieser Umstand sorgte dafür, dass ich „Depressionen abzugeben“ immer wieder aus der Hand legen musste. So viele Erinnerungen legten sich wie Flashbacks in meinem Hirn ab und sorgten für einen Film, den ich nur schlecht stoppen konnte. Wollte ich übrigens auch nicht, denn die besonderen Sprüche, der trockene Galgenhumor oder die Erinnerungen an bestimmte Therapieformen waren einfach zu köstlich, um ihnen nicht einen gebührenden Platz einzuräumen. Jedes Mal knickte ich ein Eselsohr ins Buch und war nun ganz erstaunt, wie viele sich im Laufe der letzten drei Monate nun doch angesammelt haben… und das ist – verdammt noch mal – auch gut so!

Vorurteile über psychiatrische Kliniken

Die „Klapse“ ist kein bedrohlicher, angsteinflößender oder befremdlicher Ort. Nein! Uwe beschreibt es mit seinen #ausderklapse-Tweets folgendermaßen:

[…]Zurück in der Jugendherberge für Bekloppte. […]

Damit tritt er den Nagel auf den Kopf. Wer das Leben in Jugendherbergen noch als Schulkind in Erinnerungen hat, kann sich das Klapsen-Leben viel besser vorstellen, als es Film und Fernsehen vermag: Trubel, Jubel, Streiche und liebenswertes Chaos! Die Tweets aus seiner Zeit sind übrigens für diese Buch ein wahrer Schatz. Sie dienen nicht nur als Grundlage, sondern geben dem Text  an bestimmten Stellen dem Text das gewisse Etwas. Schade, dass ich in meiner damaligen Zeit noch nicht gebloggt und mit Social Media nichts am Hut hatte – Uwe hätte mir das Leben mit seinen herrlichen, teils (selbst-)ironischen Tweets so manchen Tag versüßt. Aber immerhin hab ich nun das Buch mit seinen vielen Eselsohren! An schlechten Tagen nehme ich es mir zur Hand und schlage nach. Auch wenn ich jetzt schon recht lange stabil bin, gibt es solche miesen Tage nämlich immer noch.

Warum ich euch „Depressionen abzugeben“ ans Herz lege

Wenn ihr selbst von Depressionen betroffen seid, wird euch allein der Titel schon ansprechen. Bereits in den ersten Kapiteln leidet ihr mit Uwe mit. Als sein Fass gefüllt war und der letzte Tropfen selbiges zum Überlaufen brachte, war ich mittendrin. Ich fühlte und litt mit ihm, sah in bildlich nach dem Ausweg suchen. Die alles entscheidende Szene im Firmengebäude sah ich nahezu bildlich vor mir. Die SMS, die er mit seiner Frau schrieb, während Schlaftabletten und Blut den Saft seines Lebens nahmen, fesselten mich nahezu. Ich wusste, dass er gerettet wird, denn sonst gäbe es ja das Buch nicht. Trotzdem bangte ich und war quasi „voll dabei“.

Mit voller Wucht wurde mir dadurch jedoch klar, was ich auch meinen Lieben beinahe angetan hätte und las weiter. Aber „Depressionen abzugeben“ stellt auch die andere Seite der Medaille dar und gibt Einblick zu den Gefühlen und Gedanken möglicher Hinterbliebener. Aber als akut depressiver Mensch kann man diesen Perspektivenwechsel leider nicht mehr vollziehen… Umso schöner, das dies an mehreren Stellen des Buches immer wieder zum Ausdruck gebracht wird.

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Für alle Betroffenen und Angehörigen also ein toller Lesetipp, der durchaus Augen öffnet und vielleicht auch ein Stück dazu beitragen kann, dass das Bild über Depressionen in der Gesellschaft weitaus toleranter und normaler wird.

Wahre Worte

Das Leben besteht aus mehr als nur Beruf, Pflichtbewusstsein und Funktionieren. Aber unsere Kultur gibt uns ein anderes Mantra vor. Sei perfekt, sei 100 Prozent, sei immer fleißig.

Ich denke, dass dieser Satz von sehr vielen Menschen stammen könnte und genau das ist es, was ich selbst jahrelang lernen musste. Dass ich so wenig in letzter Zeit gebloggt habe, hat in dieser Hinsicht auch an mir genagt. Doch es gab einfach wichtigere Dinge in meinem Leben. Ich habe Prioritäten gesetzt und mich auch im privaten Leben eher neben der Überholspur bewegt. Alles braucht halt seine Zeit. Gerade mit den vielen Veränderungen, die mich gerade so bewegen, fällt mir das Akzeptieren leichter. Für mich ist das schon ein echt großer Fortschritt. Nur zu gut hätte dieser Satz auch von mir sein können:

Man ist so verdammt einsam, wenn man psychische Probleme hat. Niemand will verstehen, wie schwer das belastet, niemand toleriert das. […]

Am Ende wird doch alles gut!

Doch glücklicherweise gab es auch durch meinen Therapieweg einen Weg aus der Negativspirale heraus, so dass ich mich Uwes Worten absolut anschließen kann:

Langsam bekomme ich das Gefühl, dass es besser werden kann. Dass ich vielleicht irgendwann einfach glücklich sein darf.

Doch bei all der Hoffnung, die hierbei so unaufhörlich strahlt, darf eines nicht vergessen werden:

Man geht nicht so einfach mit einer Depression in die Klinik und kommt ohne sie wieder raus. Man kriegt eine bessere Leine, um die Depression daran zu führen, und ein paar Knochen zum Vorwerfen, damit die Depression schön brav Männchen macht, statt einen aufzufressen.

Es ist nicht vorbei, du gehst nur besser damit um. Du wirst sensibler für dich und dein Umfeld. Im besten Fall änderst du wichtige Facetten deines Lebens, bevor sie dich wieder erdrücken.

Nun ist dieser Text keine Rezension im stilistischen Sinn geworden. Die Fakten zum Buch schenke ich mir deswegen auch. Von ganzem Herzen kann ich nur sagen:

Geht in den Buchladen, blättert ein paar Seiten, lest es quer und nehmt „Depressionen abzugeben“ mit nach Hause! Mit einem so guten Taschenbuch für 10,- € macht ihr absolut nichts falsch! Wer dennoch mehr über das Buch an sich wissen möchte, kann gern hier mal einen Blick riskieren oder sich mit dieser Leseprobe schon mal einlesen :-).

Nur der Form halber: Das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unberührt – ich hätte mir das Buch eh gekauft ;-)!

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3 comments on “Depressionen abzugeben – Erfahrungen #ausderklapse”

  1. Huhu, das ist ein wirklich sehr interessantes Buch, das würde mich ja auch sehr interessieren. Du hast es wirklich noch viel spannender gemacht. Alles liebe.

  2. Ich habe das Buch auch von einer Freundin empfohlen bekommen und habe mich auch teilweise köstlich amüsiert.
    Ich hoffe, dass es dir mittlerweile besser bzw. gut geht <3
    Liebste Grüße
    Carmen ♥

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