Manchmal läuft einfach nicht so, wie man es geplant hat oder sich zumindest in den schönsten Träumen vorgestellt hat…

Diese Weisheit hat bestimmt jeder schon mehr als einmal für sich bewahrheiten müssen… Ich bin ein Mensch, der generell gern plant und schlecht mit Situationen zurechtkommt, die eben ungeplant geschehen. Planungen geben mir Sicherheit. Sie beruhigen mich und schützen mich vor ungeliebten Überraschungen. Mag sein, dass es mit meiner Hochsensibilität zusammenhängt, mag aber auch sein, dass es ein Teil meines Charakters ist. Veränderungen und umplanmäßige Gegebenheiten verunsichern mich sehr. Manchmal machen sie mir sogar Angst. Aber das Leben hat dazu seinen ganz eigenen Standpunkt!

Von einer sehr bedeutenden Planänderung vor genau neun Jahren möchte ich heute erzählen.

Meine erwünschte Schwangerschaft stellte sich nicht sofort ein, die familiäre Harmonie während der Schwangerschaft war ein Horrorszenario und auch die Schwangerschaft selbst wollte zum Ende des siebten Monats nicht so wie ich es wollte. Eigentlich wollte nichts so, wie ich es wollte, aber das steht auf einem anderen Blatt. Entgegen meiner quirligen Natur musste ich die Dinge dann etwas ruhiger angehen lassen, damit mein Kind nicht zu früh auf die Welt kommt. Die Kleine wusste wohl schon damals, was mir gut tut 😉

Also hörte ich auf die Ratschläge des Arztes und ließ es ruhiger angehen. Mein Kind dankte es mir und machte es sich in meinem Bauch noch etwas länger bequem. Ich durfte also wieder Hoffnung schöpfen, dass alles seinen normalen Gang gehen würde und ich mein Kind halbwegs termingerecht spontan gebären würde. Doch da hatte ich wieder einmal die Rechnung/Planung sehr eng gesteckt. Planänderungen duldete ich nicht und doch musste ich sie hinnehmen!

Als klar wurde, dass meine Tochter nicht spontan auf die Welt kommen könnte und ich somit einen – für mich von vornherein abgelehnten – Kaiserschnitt würde vornehmen lassen müssen, brach für mich eine Welt zusammen. Das schöne Geburtshaus, das ich mir für eine natürliche Entbindung angesehen habe, die schönen Gerüche und Vorstellungen waren für mich mit einem Schlag unerreichbar fern und mussten einem sterilen OP-Saal gedanklich Platz machen. In mir sträubte sich alles gegen den Kaiserschnitt.

Nicht nur ich hatte ein Problem, auch meine Tochter könnte durch diesen Eingriff spätere Probleme bekommen. So zumindest suggerierten es verschiedene Online-Beiträge. Dort hieß es u.a.,

dass Kaiserschnittkinder verschiedenen Einflüssen im späteren Leben doch ausgeliefert seien, weil sie die Geburt nicht aus eigener Kraft hervorgerufen haben und sich nicht durch den Geburtskanal ins freie Leben haben arbeiten müssen… Wenn sie so einfach aus dem Mutterleib geholt werden würden ohne durch die eigene Signale der natürlichen Geburt bereit zu sein, hätten sie auch später weniger Resistenz gegen äußere Widerstände und würden viel eher Probleme hinnehmen als ihnen kritisch entgegenzutreten.

Was ich auch las und je unterschiedlicher die Beiträge ansetzten, es passte mir nichts! Meine damalige Hebamme bemerkte meine beängstigenden Gefühle und schlug mir eine Rückführung nach der Entbindung vor. Zu dem Zeitpunkt hatte sie einen Kontakt mit einer Physiotherapeutin, die sich gerade auf dem Gebiet fortbildete.

Da ich mir damals nichts darunter vorstellen konnte (das war vor mehr als acht Jahren), rief ich die Dame an und stellte meine Fragen. Sofort fühlte ich mich bei ihr in guten Händen und verabredete mit ihr einen Besuchstermin. Angesicht zu Angesicht erklärte sie mir geduldig alle Fragen und machte mit mir eine Meditationsübung, damit ich mir auch vor dem geplanten Eingriff selbst etwas Ruhe schenken könnte. Meditation ist jedoch nicht ganz mein Ding und ich konnte mich kaum darauf einlassen, wurde aber durch ihre freundliche und ruhige Art etwas gelassener. Der Kaiserschnitt war letzten Endes geplant und nun gab es keinen Ausweg mehr. Aber immerhin konnte ich mich wegen des Termins durchsetzen und habe den Termin kurz vor dem errechneten Geburtstermin setzen können und nicht 14 Tage vorher. Immerhin ein kleiner Erfolg für mich ;-)! Hier hatte ich wieder etwas Planungssicherheit und konnte die letzten schwangeren Tage noch ganz bewusst genießen. Ich erledigte also noch dringende Arbeiten und setzte mich am WE vor dem Eingriff an die Steuererklärung. Dass ich dabei leichte Unterleibsbeschwerden und Rückenschmerzen hatte, ignorierte ich bzw. nahm es nicht so ernst. Immerhin wollte ich die Steuererklärung vor der Geburt fertig haben und mich noch ein letztes Mal mit meiner Freundin treffen, bevor meine Tochter meine ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Im Laufe des Tages gingen die unangenehmen Gefühle im Unterleib jedoch nicht weg.

SAM_0856Es kam, wie es kommen musste: Planänderung! Meine Tochter wollte nicht fremdbestimmt sein und entschied sich, noch vor dem geplanten Termin auf die Welt kommen zu wollen. Sie setzte das Signal für die Geburt!

Doch vor der Geburt ließen wir uns noch viel Zeit. Der Mann war ja weit weg und sollte dabei sein. Bis zur letzten Minute wurde der Kaiserschnitt herausgezögert und mit Wehenhemmer versucht, das Öffnen des Muttermundes zu verlangsamen. Doch dann musste es geschehen. Im OP erblickte meine Tochter das Licht der Welt. Sie hat es entschieden und die Ärzte haben sie hervorgeholt. Insofern war ja alles gut. Die Bedenken – hervorgerufen durch die unterschiedlichen Berichte zu Kaiserschnittgeburten – waren ja nun hinfällig. Die Maus ist zwar durch die Bauchdecke auf die Welt gekommen, hat aber von sich aus das Signal gegeben. Also selbstbestimmt statt fremdbestimmt. Wozu also noch eine Rückführung???

Die Rückführung habe ich dann aber trotzdem vorgenommen, denn eines hatte ich bei der ganzen Planung und Vorbereitung vergessen: Nicht nur das Kind ist mit der Mutter verbunden und wird bei der Geburt abgenabelt – auch der Mutter gehen bei der Geburt Gefühle durch. Und eben dies war durch die Kaiserschnittgeburt irgendwie abhanden gekommen… Ich wusste zwar, dass das kleine Mädchen meine Tochter ist, aber ich konnte sie etwa zwei Monate nicht wirklich als einen Teil von mir annehmen. Irgendwie fehlte MIR was. Für mich war das alles irgendwie weit weg und all das steuerte meine Bindung zu meinem Baby. Ich versorgte sie und liebte sie, aber irgendwie fühlte ich mich so weit weg von ihr…  Auch das mit dem Stillen, das ja eine besondere Bindung fördert, klappte nicht so: Sie konnte nicht richtig trinken. Es strengte sie so sehr an, dass sie entweder einschlief oder Ewigkeiten brauchte, um satt zu werden. Also entscheiden die Hebamme und ich – nachdem alle möglichen Tricks erfolglos blieben – dass wir „pump-stillen“. Ich pumpte und fütterte ihr die Muttermilch dann per Flasche. Für sie war das befriedigend, für mich eher ein notwendiges Übel. Denn auf die Fütterung per Muttermilch wollte ich auf keinen Fall verzichten. Gerade wegen meiner eigenen Neurodermitis wollte ich mir auf keinen Fall später vorwerfen, ich hätte nicht alles getan, um meinem Kind dieses Übel zu ersparen. Aber all das brachte mich meinem Kind nicht näher. Man hätte fast meinen können, ich hätte eine postnatale Depression, doch das war nicht des Rätsels Lösung. Irgendwie hatte ich nun zwar ein leibliches Kind, doch ich wurde um die Geburt betrogen. DAS war es für mich!

Also machte ich die Rückführung doch. Ein bisschen für meine Tochter, aber hauptsächlich für mich. Ich wollte ein Erlebnis intensiver Bindung für mich und mein Kind. Ich wollte eine Geburt in heimeliger Atmosphäre. Ich wollte einen Neustart! Einmal den Reset-Knopf gedrückt halten und zurück auf Anfang. Dass das so nicht möglich ist, ist ja klar. Aber unversucht lassen, wollte ich das auch nicht.

Zur Vorbereitung bekam ich eine so genannte Schmetterlingsmassage, die mich entspannen und mir durch kleine feine Berührungen ein Gefühl für mich und meinen Körper vermitteln sollte. Sozusagen eine Einstimmung auf all das Kommende – eine angenehme Einstimmung. Meine Tochter wurde in der Zeit frisch gemacht und in warme Tücher gehüllt. Dann ging es auch schon los: Eine Massageliege diente als „Kreisbett“, auf das ich rücklings liegen sollte. Der Raum war wohl temperiert, so dass meine Kleine auch nicht frieren musste. Als ich halbwegs bequem lag, wurde meine nackte Tochter zwischen meine Beine gelegt und sollte sich nun aus eigener Kraft nach oben in Richtung meines Gesichtes arbeiten. Dass das wirklich harte Arbeit für ein Baby ist, das nur mit der Kraft der natürlichen Reflexe dem Geruch der Muttermilch nach oben folgt, ist hierbei wohl klar. Während sie sich anstrengte und ihren Missmut lauthals durch kräftiges Schreien ausdrückte, tobten in mir unendliche Gefühlsgewalten: Empfindungen, die ich nicht in Worte fassen kann, trieben mir Tränen in die Augen. Mit einer Mischung aus Stolz, Traurigkeit, Glück und Enttäuschung über die allgemeinen Umstände der Schwangerschaft und der Kaiserschnittgeburt konnte und wollte ich nicht mehr gegen den Strang, der meinen Hals die ganze Zeit festgeschnürt ließ, ankämpfen. Ich ließ alles geschehen. Die heftigen Emotionen, die sich in Sekundenschnelle abwechselten und sich ihren Weg in die Freiheit erkämpften, trübten meinen Blick auf das, was meine Tochter mühevoll erarbeitete. Sie „kletterte“ mir entgegen, so dass ich sie willentlich und ganz bewusst in Empfang nehmen konnte. Es war sehr bewegend und es fühlte sich an, als ob der Raum immer wärmer wurde. Mir wurde jedenfalls sehr warm – warm ums Herz. Endlich konnte ich mein Kind als wahrhaftigen Teil von mir anerkennen. Die Mutter-Kind-Bindung wurde von da an immer intensiver und auch das „Pump-Stillen“ machte mir sodann weniger aus. Manchmal bedarf es einen kleinen Inputs von außen, um die Welt mit anderen Augen zu sehen und anzuerkennen, welche gottgegebenen Wunder geschehen. Ob dieser Vorgang letztendlich meine Tochter charaktermäßig stark gemacht hat und damit gegen manche Einflüsse in ihrem Leben abschirmt, kann ich nicht beurteilen. Ob sie durch die selbst erarbeitete „Geburt“ äußeren Widerständen nun standhafter gegenübertreten kann, weiß ich auch nicht. Aber dass uns die zweite Geburt näher aneinander gebunden hat, das ist definitiv der Fall! 

Wer also vor der Frage steht, ob eine Geburtsrückführung oder „erneute Geburt“ das Richtige wäre, sollte sich Gedanken machen, was er/sie damit bezwecken möchte. Für mich war es die richtige Entscheidung – auch wenn ich so meine Zweifel hatte….

Gefällt dir der Beitrag? Dann freue ich mich übers Teilen 🙂

6 comments on “Geburt nach Plan?”

  1. Ein sehr schöner und ehrlicher Bericht, bis heute wusste ich gar nicht, dass es sowas wie Geburtsrückführung gibt. Meine Tochter kam „normal“ zur Welt, aber leider auch nicht so, wie damals gewünscht. Ich wollte eine Wassergeburt, aber leider war eine andere eher da als ich und so blieb nur die andere Variante im Kreissaal.

    Liebe Grüße
    Jana

    • Wie das so ist mit den Wünschen… Bei meiner zweiten Tochter sollte das mit den alternativen Geburten auch nicht laufen, sie kam im Sturzflug (dafür aber ohne Kaiserschnitt) 😉
      So toll sollen Wassergeburten allerdings auch nicht sein – wurde mir zumindest so berichtet…
      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße zurück
      Yvonne 🙂

  2. Danke dass du diese Geschichte teilst! Ich wusste bis eben auch nicht, dass es so etwas gibt.
    Die Angst vor einem Kaiserschnitt besteht bei mir auch, das ist etwas, was ich unbedingt vermeiden möchte.

  3. Ein ganz toller Bericht 🙂
    Leider ist wirklich nicht jede Schwangerschaft, so wie man sie es sich wünscht 🙁 Habe auch so einiges miterleben dürfen, wodrauf ich gerne verzichtet hätte. Ich habe 3 Kinder bekommen, 3x per Kaiserschnitt, und nur die letzte war relativ entspannt… Bei allen 3 Schwangerschaften Diagnose Schwangerschaftsdiabetes, aber nur bei der letzten musste ich spritzen, bei den anderen beiden hat eine Ernährungsumstellung gereicht. Mein 1. Kind kam 8 Wochen zu früh auf die Welt, vorzeitiger Blasensprung, mit einem sehr schweren Herzfehler, der erst kurz vor dem Kaiserschnitt entdeckt wurde, leider dufte sie nur 3 ganze Wochen bei uns bleiben, bevor wie sie wieder gehen lassen mussten 🙁 In der 2. Schwangerschaft war ich die letzten 12 Wochen im Krankenhaus, mußte streng liegen, weil eine Frühgeburt drohte, aber ich habe es bis zur 38. Woche geschafft 🙂 und die 3. Schwangerschaft, war ab der 22. Woche wunderbar, bis dahin war das Klo mein 2. Wohnsitz 🙁 Meine kleine wurde dann in der 39. Woche geholt, da ich ja vorher schon 2 Kaiserschnitte hatte, nur diesmal sogar nur unter Vollnarkose, weil die PDA nicht angeschlagen hatte 🙁 Ich habe keines meiner 3 Kinder nach dem „schlüpfen“ schreien gehört 🙁 Ein bißchen fühle ich mich von der Natur und von Gott ein wenig verlassen, dass ich die Geburt, vom Wunder der Natur, nicht wirklich erleben durfte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.