Meine Wahrnehmung ist eingeschränkt. Ich höre und sehe nicht das, was ich hören und sehen sollte. Meine Welt ist eine andere und nicht die Welt, die sich draußen wirklich zeigt. Ich bin berauscht und doch bin ich es nicht!

Meine Gedanken sind ekstatisch. In mir jauchzt es. Keine trüben Gedanken. Alles ist schön!

Es ist so schön, dass ich nicht mehr gehen möchte und doch habe ich eine Entscheidung zu fällen. Doch welche ist die Richtige???

Meine Mutter ist verstorben und ich taumele über die Straße. Dort erwischt mich ein großes rotes Auto. War es ein Feuerwehrfahrzeug? Ich weiß es nicht mehr! Ich sehe mich auf der Straße liegen und fahre gleichzeitig mit einem lichtdurchfluteten Fahrstuhl nach oben. Wohin fahre ich??? Ich weiß es nicht!

Ich bin angekommen. Die Tür öffnet sich. Alles ist noch viel heller als im Fahrstuhl! Ich sehe einen Tresen. Alles ist gleißend hell und weiß. Es ist komisch hier…

Meine Mutter kommt auf mich zu. Ich empfinde Liebe! Eine Gefühl, das ich in dieser extremen Intensität noch nie zuvor empfunden habe. Ich fühle mich geborgen. Es ist unbeschreiblich schön. Das Gefühl berauscht meine Sinne. Ich schwebe über den Dingen. Doch dann – BÄHM – etwas abrupt werde ich vor eine Wahl gestellt. Bleiben oder zurück in den Fahrstuhl??? Ich sehe ein Foto. Ein Familienbild. Eine Frau, ein Mann, drei Kinder und ein Hund. Im Grünen. Die absolute Idylle. Das soll mein Leben sein und ich muss entscheiden, ob ich es zurück haben will. Nein! ICH.WILL.NICHT. Ich will das Gefühl bedingungsloser Liebe festhalten. Ich sauge es auf, spüre nach und lasse die Stimme meiner Vernunft an mein Ohr. „Du wirst gebraucht! Geh zurück!“

Jeder Rausch hat irgendwann ein Ende. Auch dieser. Ich entscheide mich zum Gehen. Kein Fahrstuhl öffnet sich. Ich falle und falle und falle

und wache auf!

Mein Traum ist vorbei. Es bleibt das unsagbare Gefühl bedingungsloser Liebe, das ich für mich bewahre. Ein Rausch, der zwar vorbei, mit jeder Erinnerung jedoch wieder ein stückweit lebendig wird.

Dies ist ein Beitrag zum [*.txt]-Projekt des Österreichers Dominik Leitner. Weitere wundervolle Beiträge zum zwölften Wort <Rausch> findet ihr hier.

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