Parenting, Kinder kümmern sich um ihre Eltern. Wenn Kinder die Verantwortung für ihre Eltern übernehmen müssen, sollten diese aber weit im Erwachsenenalter sein und dies im Sinne einer Pflegschaft o.ä. meinen. Sobald man diesen Satz aus einem Kindermund hört – ganz egal ob im Kleinkind- oder Pubertieralter – ist es beängstigend. Zumindest dann wenn es sich nicht um ein Rollenspiel á la „Mutter, Vater, Kind“ oder anderen spielerischen Tauschgeschäften handelt. 

Parenting – wenn Kinder Verantwortung für die Eltern übernehmen

Alarmierend ist es, wenn sich Kinder solch große Sorgen um ihre Eltern machen und „Mama, ich muss auf dich aufpassen“ eine berechtigte Angst ausdrückt. Kinder spüren intuitiv, wenn es ihren Eltern nicht gut geht. Da hilft keine Schauspielkunst, den feinen Antennen der Kinder entgeht nichts. Auch wenn sie selbst keinen Begriff dafür haben und ihre Sorgen vielleicht auch nicht richtig verstehen. Fakt ist: Kinder zeigen auf ihre individuelle Weise, dass sie etwas wahrnehmen. Manche von ihnen klammern, weinen, drücken ihre Fürsorge in besonders angepasstem Verhalten aus und übernehmen auf ihre Weise eine Verantwortung, die in keinem Verhältnis steht. Sie möchten für ihre Eltern sorgen, ihnen Verantwortung abnehmen und eine heile Familienwelt erhalten. Gerade ältere Kinder vollziehen hierbei einen Spagat, der Innen- und Außenwelt harmonisch miteinander zu verbinden versucht. Jedes Kind ist anders, dafür gibt es kein Pauschalrezept. Einen Pauschalbegriff jedoch schon: Parenting!

Rollenwechsel

Ein Kind schlüpft in die Elternrolle. Es übernimmt Verantwortung für einzelne Lebensbereiche, versorgt Familienmitglieder oder kümmert sich um strukturierte Tagesabläufe. Das sind nur einige Beispiele, die den Begriff Parenting mit Inhalt füllen. Kinder übernehmen dabei verschiedene elterliche Funktionen und reifen in Windeseile um Jahre. Natürlich sind Kompetenzen wie Empathie, Lebenserfahrung, ein starkes Selbstwertgefühl oder Selbständigkeit Eigenschaften, die wir unseren Kindern für ihre Entwicklung wünschen. Jedoch sollte dies einer altersgerechten Entwicklung nicht im Wege stehen.

Sobald aber ein Kind dem kranken Elternteil unter die Arme greift, wird es durch diese Belastung sehr gefordert. Nicht selten sogar überfordert. Besonders tragisch ist dies, wenn der Zeitraum dieser Belastung unbegrenzt erscheint. Ich meine hierbei nicht die kleine Unterstützung bei einem Migräneanfall, sondern einen dauerhaften Rollenwechsel, der insbesondere bei Kindern psychisch kranker Eltern auftritt. In solchen Fällen besteht die Gefahr, dass die kindliche Entwicklung leidet. Kinder nehmen dann eine  „Sorgerrolle“ ein und ordnen ihre eigenen kindlichen Bedürfnisse denen der Verantwortung für die elterliche Rolle im Familienbund unter. Ein Verlust der Kindheit droht!

Parenting wertschätzen und Hilfe suchen

Ich möchte hier nicht den Teufel an die Wand malen, denn auch ich habe mich schon einmal in solch einer Situation wiedergefunden. Als depressive Mutter habe ich schon einiges über den Umgang mit meinen Kindern geschrieben. In akuten Situationen hatte ich auch Hilfe von nahestehenden Menschen, die meinen Kindern ein stückweit Normalität im Alltag bieten und so ihre Kindheit zeitweise unbeschwert sein lassen konnten.

Ich selbst habe mich mit diesem Thema auch näher auseinandergesetzt und gelesen, was das Zeug hält. Dummerweise macht die Krankheit oftmals einen Strich durch die wirklich alltagstauglichen und guten Empfehlungen. Gerade in Stresssituationen oder belasteten Momenten fällt mir die gute Beziehungsarbeit zwischen mir und den Kindern häufig schwer. Sobald ich nicht authentisch bin und zugewandtes Verhalten nur „aufsetze“ oder mich krampfhaft darum bemühe, spüren sie das. Familienärger, Unzufriedenheit oder Unverständnis auf allen Ebenen sind vorprogrammiert. Obwohl mich dieses Thema schon seit Jahren beschäftigt, habe ich es leider in letzter Zeit etwas ausgeblendet. Dieser Artikel war für mich heute der Anlass, mein Buch aus dem Regal zu ziehen und diese Zeilen zu schreiben.

Kinder psychisch kranker Eltern stärken, Parenting

Lohnenswerte Beiträge aus dem Netz

Was Kinder psychisch kranker Eltern beschäftigt, habe ich auch in diesen Artikeln lesen können, die ich euch gern ans Herz legen möchte. „War ich nicht lieb?“ lautet dazu eine Überschrift eines lesenswerten Artikels in der FAZ.

Die Problematik einer Borderline-Mutter wird hier geschildert. Der Artikel versucht, die Spannungen im Familiengefüge und in der Paarebene bildhaft zu beschreiben. Man kann nur ahnen, welche Auswirkungen das später einmal nehmen könnte, wenn die Mutter nicht ausreichend therapiert werden kann und das Kind im Schulalltag mit seinen eigenen Sorgen und Nöten konfrontiert wird. Allen Lehrern unter meinen Lesern sei folgendes gesagt: Nehmt diesen Absatz hier zum Anlass, euch mit dieser Art auseinanderzusetzen und ein Stück in die Welt eines Borderline-Patienten einzutauchen. Mit Sicherheit wird euch irgendwann einmal ein Schüler/eine Schülerin mit diesem familiären Hintergrund begegnen….

Empfehlen möchte ich auch die Internetseite „Gib Depressionen ein Gesicht„, bei der nicht nur Fragen zum Thema Depression, sondern auch zu anderen psychischen Krankheiten beantwortet werden können.

mit Kindern über Depressionen reden, Gab Depressionen ein Gesicht

Was denkt ihr?

Ich hoffe, dass viele von euch den Beitrag bis hier gelesen haben. Nun möchte ich gern mit euch in Interaktion treten. Seid ihr bislang schon mit Parenting konfrontiert worden – also beispielsweise im Bekannten- oder Verwandtenkreis?

Lasst mich an euren Erfahrungen teilhaben! Ich freue mich wirklich sehr über Kommentare oder Anregungen. Besonders interessiert mich aber, ob ihr weitere Beiträge zu diesem Thema bei mir lesen wollt.

Also lasst mich nicht hängen und schreibt mir ein paar Zeilen :-).

Gefällt dir der Beitrag? Dann freue ich mich übers Teilen 🙂

6 comments on “Parenting – „Mama, ich passe auf dich auf!“”

  1. Hallo,

    ein wirklich schwieriges Thema. Da ich selbst Erfahrungen mit Depressionen in der Familie habe. Allerdings habe ich mit Parenting noch keine Erfahrungen gesammelt und kenne auch niemanden, dem das widerfahren ist. Es ist ein interessantes Thema, von dem ich gern mehr lesen würde.

    Liebe Grüße

    Christine

  2. Ein schwieriges Thema,ich selbst war davon noch nie betroffen und habe auch im Bekanntenkreis niemanden dem sowas passiert ist.Daher kann ich schlecht was dazu sagen.Aber finde das Thema dennoch sehr interessant.
    liebe grüße Nadine

  3. Ein wirklich schwerer Thema, von denen ich um Ehrlich zu sein keine Ahnung haben. Auf der einen Art finde ich gut, das Kinder eingebaut werden, da Eltern so einen Gewissen halt bekommen. Auf der anderen Seite ist es für das Kind natürlich nicht so toll, in solch Situationen aufzuwachsen. Ich denken einfach, es kommt auf das jeweilige Kind, sowie Elternpaar an.

    Alles liebe

    • Liebe Lydia,
      das höre ich leider nicht zum ersten Mal. Solche Aussagen untergraben die Selbständigkeit sehbehinderter Menschen. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die ihr Leben mit Handicap meistern und sich mit anderen Sinnen zu orientieren wissen. Sicherlich verfügen deine Kinder über eine weitaus höhere Sozialkompetenz und Empathie als andere Kinder. Bestimmt können sie dir oft eine stützende Hilfe sein, aber du meisterst dein Leben auch allein und das ist doch das ausschlaggebende. Die Kinder bleiben trotzdem Kinder und du bleibst ihre sorgende Mutter. Alles Gute und danke für deine Zeilen!
      Liebe Grüße,
      Yvonne

  4. Das ist wirklich sehr interessant. Mein jetziger Freund wurde von seinen Eltern auch in diese „Rolle“ gezwängt und hat das seit seiner Kindheit auch nie wirklich los bekommen. Erst durch lange Gespräche und viel darüber nachdenken ist es ihm gelungen, diese Last, die ihm als Kind von den Eltern auferlegt wurde, loszuwerden. Aber soweit sollte man es als Eltern gar nicht erst kommen lassen.

    Liebste Grüße,
    Carmen <§

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