Wie oft habe ich diesen Satz gehört: „Sei doch mal glücklich und zufrieden!“ Es kotzt mich – gelinde gesagt – ziemlich an. Wie wollen andere Menschen darüber urteilen können, wann sich Zufriedenheit und Glück einstellt?

Glück und Zufriedenheit durch das, was man erreicht hat?

Rein objektiv betrachtet, habe ich jeden Grund, nach vielen Jahren endlich glücklich und zufrieden sein zu können. Ich habe wirklich ein Luxusproblem, denn ich habe, was andere sich vielleicht wünschen können: Eine Familie, sehr gute Arbeit, ein eigenes Haus und Freunde, die für mich da sind. Wenn ich es denn wollte, denn alles was ich derzeit möchte, ist Ruhe. Bevorzugen würde ich Einsamkeit. Irgendwo einfach nur sein. Da wo keiner was von mir möchte. Doch dieser Ort existiert nur in meiner Fantasie. Dorthin, wo ich mich in letzter Zeit gedanklich verdrücke. Sozusagen mein geheimer Fluchtort.

Bewegung in depressiven Momenten

Ich kenne diese Phasen, sie kommen immer wieder. Und wie jedes Mal, verarbeite ich diese Tage auf meine Weise. Ich ziehe mich innerlich zurück und halte meine Maschine trotzdem am Laufen. Äußerlich funktioniert also alles wie immer. Meine Rollen erfülle ich und freue mich auf die Nacht – die Zeit, in der die Ruhe mir gehört. Und wenn es am Tage dann doch zu viel wird, gehe ich auf Wanderschaft. Das meine ich ganz wörtlich, denn wenn ich das Gefühl habe, die Wände erdrücken mich, ziehe ich meine Schuhe an und gehe. Doch mehr als zwei Stunden bliebe ich dann doch nicht weg. Zu sehr nagt das Pflichtbewusstsein an mir.

Tagträumereien als Flucht vor der Realität

Aber wenn ich bei den Gleisen stehe und die Züge zähle, die des nachts an mir vorbeirauschen, wünschte ich mir, dass mich einer mitnähme. Doch das bleiben nur Tagträumereien eines Menschen, der sich gerade etwas verloren hat. Eines Suchenden, der alles gibt, um nicht unsichtbar zu sein, obwohl ich unsichtbar sein möchte. Ein Tarnumhang wäre schön. Dann würde ich mich einfach darunter verstecken. Irgendwo in einer Ecke und zusehen, wie das Leben auch ohne mich funktioniert und endlich einmal selbst abschalten. Motor aus und Stillstand!

Stillstand und Neuorientierung?

Das ist es, was ich in der letzten Zeit mit diesem Blog getan habe. Das reale Leben hatte mich derart in der Zange, dass mir für Internetdinge kaum noch Zeit blieb. Lediglich Ideen für Unterrichtsmaterial habe ich gesammelt und für meine Zwecke perfektioniert. Genau das ist nämlich mein Problem. 0815 kann ich nämlich nicht, bzw. will ich nicht. Mit meinen neuen Aufgaben habe ich mich in die Arbeit gestürzt und dafür auch jede Menge Feedback erhalten. Berauscht von der süßen Wirkung dieses Echos habe ich meine Kräfte  aufgebraucht. Die Ferien haben es mir gezeigt: Die Arbeit wird nicht weniger, auch wenn ich viel dafür zu tun gedenke.

Nun bleibt für mich die Frage, wie ich damit umgehe und auch, ob ich weiterhin im Blog schreiben werde. Denn diese lange Pause hatte ich mir vor einiger Zeit nicht vorstellen können. Zu viel Bedeutung hatte mir das kleine Hobby hier. Sehr gerne habe ich Kommentare gelesen und beantwortet oder aber das Feedback auf meine Beiträge in den Statistiken verfolgt. In der Pause bin ich davon ausgegangen, dass sich die Sache mit dem Blog hier von ganz allein „erledigen“ wird. Aber nun habe ich gesehen, dass sehr viele Beiträge trotz digitaler Abwesenheit gelesen wurden. Also schreibe ich doch mal wieder was. Immerhin stehen auch noch ein paar Dinge aus…

Vielleicht wird es mir auch wieder gut tun, mich in dieser Art mitzuteilen. Wer weiß? Womöglich werde ich dann auch mal glücklich und zufrieden sein können. Jetzt wo ich doch alles habe… Ja, ohne die Ironie des Ganzen könnte ich nicht. Das verbietet meine depressive Ader, die mal mehr und mal weniger zu sprechen kommt.

 

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4 comments on “Sei doch mal glücklich und zufrieden!”

  1. Schön dass ich wieder was von dir lesen kann 🙂 Habe dich schon vermisst. Aber eine kleine Pause braucht jeder mal, irgendwann ist auch mal die Luft raus, du hast ja auch viel Energie in die letzten Monate gesteckt, mit Hausbau, Arbeitswechsel. Ich freue mich, in nächster Zeit wieder von dir zu lesen. LG Nicole

  2. Ich bin froh über deine ehrlichen Worte. Du weißt das es mir oft genauso geht. Mir hilft das bloggen zur Zeit sehr, aber ich verstehe, dass du eine Pause brauchst. Ich würde mich jedoch sehr freuen, wieder von dir zu lesen. Ich hoffe unser Kontakt bricht nicht ab, denn ich denke oft an dich.

    Liebe Grüße
    Freya
    http://www.dieplaudertasche.com

    • Oh ja, das weiß ich. Und oft habe ich auch an ich gedacht. verwandte Seelen verlieren sich nicht, auch wenn es nach außen so scheinen mag. Es wird, nur alles in einem anderen Tempo und irgendwie noch nicht so ganz klar vor meinen Augen.
      In nächster Zeit kommt die Pflicht und dann vielleicht auch wieder das Hobby.
      Liebste Grüße,
      Yvonne

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