Und auch noch jede gut eingetrichterte Warnung „geh nicht mit Fremden mit“, verliert durch Raffinesse ihre Wirkung: Betrug und Entführung – Verbrechen, die sich vor langer Zeit in Hameln zugetragen haben sollen.

Ein Mann wird beschuldigt, aus Rache und Enttäuschung über die Vorenthaltung eines vereinbarten Lohns, zahlreiche Kinder als Geiseln genommen zu haben. Wie konnte das geschehen? Ein Kammerjäger, der den Hamelnern das Liebste nimmt…  

Wo die Weser sich durch wohlige Hügel schlängelt und sich liebreizende Märchen wie Perlen an einer Kette entlang ihres Ufers reihen, da trug sich im Jahre 1284 ein erschütterndes Ereignis zu.

#unserKoffer

Rattenplage in Hameln

Ratten über Ratten – ein sich schnell vermehrendes Völkchen übernimmt das Regiment. Sie schleppen Krankheiten an, verdrecken die Stadt und werden zu kleinen todbringenden Biestern. Keine Hausmittel helfen, sie zu vertreiben. Ein Kammerjäger muss her!

Wie gut, dass einer greifbar war und der Stadt schnelle Hilfe versprach. Herr Bundting schien des Rätsels Lösung!

Beeindruckend erklärte er sein Vorhaben: Mit einer Pfeife wollte er das gesamte Rattenvolk aus der Stadt locken, um es außerhalb der Stadtgrenze in der Weser ertrinken zu lassen. Das klang wunderlich und auch der mann selbst war wunderlich: Bunt gekleidet in verschiedenen grellen Farben – sowas bekam man nicht aller Tage zu Gesicht!

Zweifelnd runzelten die Ratsherren die Stirn, doch da zog Bundting seine Pfeife hervor und begann zu spielen. Nach und nach versammelten sich die Tiere um ihn herum. Wie in Trance folgten sie seinen wohligen Klängen und folgten der Musik. Immer mehr Tiere krochen aus den Löchern und steinigen Gassen. So ein großes Rattenvolk hatten die Hamelner noch nie auf einem Haufen gesehen – fast schon beängstigend. Sein Können hatte der gute Mann nun bewiesen und schritt mit dem ganzen Rattenvolk im Rücken aus der Stadt hinaus.

An der Weser angekommen, schritt er samt Klamotten ins Wasser. Benebelt vom Klang folgten die Ratten und ertranken jämmerlich.

Vorenthaltener Lohn

Hameln war nun frei von Ratten, so dass Bundting seinen vereinbarten Lohn verlangte. Doch dieser wurde ihm vorenthalten.

„Betrug! Arbeit verrichten und keine Taler dafür bekommen – das sollt ihr mir büßen!“

Verärgert lief er aus der Stadt und schmiedete einen Rache-Plan. Das Liebste würde er nehmen, auf dass die Hamelner nie wieder rechtschaffene Menschen betrügen würde. Er verteilte einen Denkzettel, der so grausam war, dass selbst die Vorstellung eine Gänsehaut bei mir weckt.

Eine grausame Rache

Am 26.Juni 1284 setzte er seinen Plan in die Tat um. Verkleidet als Jäger erschien er auf dem Marktplatz in Hameln, um nun die Kinder der Stadt mit seiner Musik zu betören. Sämtliche Kinder ab vier Jahren kamen herbeigelaufen – unter ihnen auch die Tochter des Bürgermeisters – und folgten ihm wie am Tage zuvor das ganze große Rattenvolk. Bundting führte auch sie aus der Stadt hinaus.

Die Kinderfrau des Bürgermeisters sah sie noch hinter einem Berg verschwinden und alarmierte ganz Hameln. Alt und Jung riefen so laut sie konnten, wuselten herum und suchten die Kinder. Doch von 130 Kinder aus Hameln war nichts mehr zu sehen. Und auch zwei Kinder, die den Weg zurück nach Hameln fanden, konnten keine Auskunft geben. Denn das eine Kind kam blind und das andere taub zurück.

Rattenfängerstadt Hameln

Der Rattenfänger von Hameln

Die als „Rattenfängersage“ bekannte Geschichte ist so tief mit der „Rattenfängerstadt“ verbunden, dass sie weltweit bekannt ist und immer wieder für szenische Interpretationen sorgt. Auch die Stadt selbst hat diesem Mann ein Denkmal gesetzt und rühmt sich mit zahlreichen Inszenierungen (Musical „Rats“, Rattenfängerspiele oder Freilichtspielen) wie auch Bronzestatuen etc. mit diesem Schicksal.

Rattenfänger in Hameln

Schon komisch, da es doch eigentlich eine tragische Geschichte ist…

Doch durch das Weitertragen der Sage und das Aufschreiben durch die Gebrüder Grimm hat Hameln diesem Mann einen Ruf zu verdanken, der auch heute noch zahlreiche Personen in die Stadt führt. In der Innenstadt finden sich zahlreiche kleine Ratten im Kopfsteinpflaster, die den Weg der Kinder nachreichen sollen.

Ratten in Hameln

Und auch im Stadtbuch und in alten Häusern ist von der Sage zu lesen.

Inschrift eines Hauses zu Hameln mit goldenen Buchstaben: Anno 1284 am dage Johannis et Pauli war der 26. junii dorch einen piper mit allerlei farve bekledet gewesen 130 Kinder verledet binnen Hameln gebon to calvarie bi den koppen verloren (Schöppach).

Das Wort „koppen“ meint übrigens den Koppenberg, an dessen Fuße zwei Steinkreuze aufgerichtet worden sind.

Dieser Beitrag ist ein Beitrag zum Projekt „ich packe meinen Koffer“ und bezieht sich auf „Geschichten aus der Heimat„. Da ich genau zwischen Hameln und Hannover wohne, war mir der Bericht über diese Sage eine Herzensangelegenheit.

Weitere Infos über die Sage sowie über weitere schöne und sehenswerte Ecken in Hameln gibt es hier. Plant doch einfach mal einen Besuch ein – es lohnt sich!

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5 comments on “Ein „sagenhaftes“ Verbrechen in Hameln #unserkoffer”

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