Wertschätzung ist etwas, das vieldeutig zu verstehen ist. Auf der einen Seite geht es um die eigene Wertschätzung dessen, was man tagtäglich leistet. Die andere Seite stellt die Wertschätzung von außen dar. Im positiven wie leider auch im negativen Sinn nimmt das insbesondere Einfluss auf die Psyche. Für mich umso mehr ein Grund, sich dem Thema – was Depressive brauchen und sich wünschen – einmal mehr zu widmen.

Es ist noch nicht viel Zeit vergangen, seitdem sich ein bekannter Blogger das Leben nahm. Nach dieser Nachricht stand die Bloggerwelt nicht still und sorgte für eine liebevolle Welle mit Verständnis und vor allem Sichtbarkeit für diese heimtückische Krankheit. Es wurde gesprochen, gehandelt und überlegt. Was kann man tun, um leidenden Menschen zu helfen?

Doch immer dann, wenn Gutes Wellen schlägt, kommt irgendwann die Ebbe. Gerade jetzt, in den dunklen Monaten, in denen der Leidensdruck depressiv Erkrankter größer wird, mag ich keine Ebbe akzeptieren. Schon im letzten Jahr habe ich meine Sicht über den Umgang mit Depressionen in unserer Gesellschaft verbloggt.

Wie gerufen kam daher ein Gastbeitrag von Dennis, der mit seiner Seite „depressiv-leben“ den richtigen Ton zum Thema Wertschätzung gefunden hat und damit auch ein Manko in der Gesellschaft anspricht.

Mit der Sprache der Seele – ein Gastbeitrag

Nicht nur im heutigen Gastbeitrag spricht Dennis eine Sprache, die die Seele versteht. Überhaupt ist er ein Mensch, der durch und durch für Empathie wirbt. Seine informativen Beiträge tragen immer auch ein Stück eigene Verletzlichkeit in sich. Aber wie sonst kann jemand das Licht in dunklen Zeiten weitertragen, wenn er es nicht selbst erlebt hätte?

Ich freue mich sehr, nun Dennis selbst zu Wort kommen zu lassen :-).

Empathie und Wertschätzung – poetische Worte

Wir schauen zu wenig, was passiert um uns herum,
geht es anderen schlecht, warum scheinen sie stumm.
Wir fühlen zu wenig, in uns und andere hinein,
hören nicht, wenn Kinder oder andere nach Anerkennung schreien.
Wir sind zu beschäftigt, unser Leben zu leben,
vergessen dabei auch anderen zu geben.
Dabei wäre es so einfach, es reicht schon ein Lachen,
um andere zu ermuntern, wertzuschätzen und glücklich zu machen.
Ein netter Spruch, ein kleines Kompliment oder etwas Aufmerksamkeit,
bringt Glück sowie Liebe in andere Leben und kostet keine Zeit.
Darum versuche anderen zu helfen, ihnen Beachtung zu schenken,
dies wird andere Leben bereichern, und dafür sorgen
das mehr Menschen an dich denken!
(Dennis Will)

Wertschätzung, ein Fremdwort?

Heutzutage scheint es fast schon so, als wäre Wertschätzung ein Fremdwort. Gerade im Berufsleben scheint es eine gewisse Wertschätzung immer seltener zu geben. Sei es in der Beziehung Arbeitgeber zu Arbeitnehmer oder bei den Arbeitnehmern untereinander. Jeder denkt häufig nur noch an sich. Dabei fällt nicht auf, wenn jemand Probleme hat oder in dieser schnelllebigen Zeit seinen Rhythmus verloren hat. Es gibt immer weniger Menschen, die nach rechts und links schauen. Immer weniger, die sich für den anderen interessieren. Vielleicht liegt es daran, dass jeder in seinem Leben immer mehr zu kämpfen hat und deshalb wenig Kraft und Zeit für andere übrig hat. Es kann aber auch Neid gegenüber den Kollegen, Nachbarn oder Freunden sein. Fakt ist, es wird immer schlimmer.

Es beginnt schon im Kindesalter…

Das was auf uns Erwachsene zutrifft, gilt auch für Kinder und Jugendliche. Zum einen gibt es immer weniger Wertschätzung untereinander, zum anderen erfahren die Kinder immer weniger Wertschätzung von ihren Eltern. Das führt dazu, dass viele Kinder ein richtiges Verhalten und das Gefühl für die andere Person überhaupt nicht mehr lernen. Dazu kommt, dass unsere Kleinen sich dadurch nur noch mehr auf ihr Handy, Tablet oder ihre virtuelle Welt konzentrieren. Lässt man sich dies einmal durch den Kopf gehen, ist es eine sehr bedenkliche Entwicklung. Jeder sollte verstehen, dass es allerhöchste Zeit ist, um zu handeln.                                                                                                                               Dabei ist es überhaupt nicht schlimm einem anderen Menschen etwas Wertschätzung entgegenzubringen und dies unseren Kindern zu lehren. Schlimm wird es erst, wenn dies nicht geschieht.

Mobbing – keine Wertschätzung im Berufsleben

Ich wurde gemobbt und aufgrund fehlender Wertschätzung in ein tiefes Loch gerissen. Leider musste ich am eigenen Leib spüren, wie schlimm es ist, systematisch gemobbt zu werden und über Jahre keine Wertschätzung im Berufsleben zu erfahren. Mein Problem war, dass ich erblich bedingt ohnehin an einer Depression leide und mich diese Mobbingattacken und die fehlende Wertschätzung immer weiter in einen Abwärtsstrudel zogen. Sicherlich haben es einige Kollegen gemerkt, doch niemand hat reagiert. So kam es, dass meine Gedanken immer negativer wurden und meine ohnehin negativen Gedankenmuster immer mehr Besitz von meinem Körper ergriffen.

Depressionen Dirk Ludwig
© Dirk Ludwig

Seid achtsam und lebt Wertschätzung!

Nun geht es nicht nur mir so, sondern fast alle, egal ob jung oder alt, haben in ihrem Leben Probleme. Probleme, die wir nicht auf Anhieb sehen. Wir fragen uns vielleicht, was ist denn mit dem los oder der ist irgendwie komisch und eh wir uns versehen, drehen wir uns wieder in unserem Hamsterrad. Dabei würde ein kleines Gespräch, eine kleine Aufmerksamkeit, ein nettes Hallo, ein Lob, eine kleine Aufmunterung oder einfach nur etwas Interesse an der anderen Person so viel Gutes bewirken. Dies gilt nicht nur im Arbeits-, sondern auch im Privatleben. Gerade Kinder brauchen Lob und Wertschätzung, ohne geht es einfach nicht. Sie müssen wissen, wenn sie etwas gut machen, wenn sie geliebt werden und man sie mag.

Ein Denkanstoß – bringt Wertschätzung in die Welt!

Ich verstehe einfach nicht, warum man dies nicht hinbekommt. Es ist doch nichts leichter als ein Lob auszusprechen oder seinem Kind zu zeigen, dass es geliebt wird. Genau dasselbe gilt für den Umgang untereinander in den vielen Unternehmen. Warum ist für viele Vorgesetzte so schwierig, ein angemessenes Verhalten vorzuleben? Warum hacken die meisten Kollegen aufeinander rum? Weshalb schauen wir nicht nach links oder rechts? Natürlich wird jeder seine Gründe finden. Allerdings sollte auch jeder einmal darüber nachdenken, ob er nicht einfach seine Sichtweise ändert. Ich habe aufgrund meiner Erkrankung gemerkt, dass es hilfreich ist seine Einstellung, sein Verhalten und sein Leben und das Wirken auf andere von Zeit zu Zeit zu hinterfragen. Vielleicht fällt dem einen oder anderen dann auf, dass es gar nicht viel bedarf, um ein bisschen Wertschätzung in die Welt zu bringen.

Abschließende Worte

Als Lehrerin ist es mein tägliches Brot, den Schülern Wertschätzung für ihre Leistungen entgegenzubringen. Als Mutter ohnehin eine Selbstverständlichkeit, die ich doch ehrlicherweise im Alltag manchmal als zu selbstverständlich sehe und vergesse. Wie leicht passiert es, dass ich mich über den im Weg stehenden Schulrucksack ärgere, den unordentlich gelagerten Klamottenberg missmutig betrachte oder mich über verstreute Bastelsachen und Legoteile aufrege. Da fällt es dann schon schwer, die guten Dinge in den Blick zu nehmen und vor dem Meckern mal bewusst zu loben. Doch niemand ist perfekt!

Aber mit dem Beitrag zur Wertschätzung hat Dennis mich mal wieder imaginär am Schlafittchen gepackt und sorgt damit dafür, das eigene Verhalten mal wieder zu hinterfragen. Herzlichen Dank für diesen fabelhaften Beitrag!

Wenn ihr mehr über Dennis erfahren möchtet und von seinen praktischen Tipps, Verständnis und Erfahrungen profitieren mögt, lege ich euch wärmstens seine Seite ans Herz. Er findet stets den richtigen Ton, um Betroffenen und deren Angehörige Ängste vor dem zu nehmen, das noch viel zu wenige verstehen.

Und wer immer noch zu viel grübelt und schlecht aus dieser Grübelfalle entkommt, wird dort auch zum Grübelzwang fündig.

Neben meinen eigenen Beiträgen zu den Themen Depression, Schwermut und Burnout möchte ich euch auch noch die Aktion „Gib Depressionen ein Gesicht“ ans Herz legen. Seit mehr als einem halben Jahr sind in der Gruppe um den Fotografen Dirk Ludwig nun verschiedene Akteure (Fotografen, Bildbearbeiter, Texter, Blogger, Radiomoderatoren und bekannte Gesichter aus dem Sport) am Werk, um aufzuklären.

 

 

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14 comments on “Was Depressive brauchen – Wertschätzung”

  1. Wow. Sehr schön geschrieben! Du sprichst mir gerade so was von aus der Seele! Ich selbst bin zwar eher ein fröhlicher Mensch, der eigentlich alles positiv sieht, aber meine jetzige Chefin bringt mich gerade an den Rand einer Depression bzw. eines Burnouts. Immer nur hetzen und antreiben, ab und zu auch mal angeschrien werden. Mehr kann man von ihr nicht erwarten. Kein „Das haben Sie sehr gut gemacht“. Nie! Ich arbeite zwar „nur“ halbtags, aber selbst das schafft mich im Moment ohne Ende. Dann noch meine Kinder, die mir gerade auch leider öfter den letzten Nerv rauben…ohne, dass einer sagt „Du bist eine gute Mutter“. Das macht einen fertig.

    Aber wirklich ein toller Bericht und auch der Gastbeitrag hat mich echt berührt.
    LG Christine

  2. Ein sehr schöner Artikel, gut geschrieben und leider wahr. Die Menschen sehen nur noch „sich“ und andere sind denen egal. Gut zum Glück sind nicht alle Menschen so. Es ist nicht leicht genau zu schauen, doch man sollte es machen. Weg schauen ist egal für was der falsche weg.

    Wenn jeder nur einmal schauen würde und vielleicht Danke sagt, kann man vieles verändern.

    Liebe Grüße
    Julia

  3. Das hast du wirklich sehr schön geschrieben.
    Meine alte Chefin hat sich immer wieder ein neues Mobbing-Opfer gesucht ich war irgendwann auch das Opfer. Ich war psychisch am Ende.
    Bin froh das ich wieder eine neue Arbeitsstelle habe.

    LG Jasmin

  4. Oh das ist ein Thema für mich! Wertschätzung – ich fühle mich sehr selten wert geschätzt. Und das begann in der Kindheit. Diese mangelnde Wertschätzung liegt denke ich klar gekoppelt mit meiner Angst. Vielleicht zweifel ich immer wieder an mir, weil ich keine guten Erfahrungen mit Menschen gemacht habe. Du hast ja meinen letzten Blogbeitrag gelesen. Menschen sterben einfach weg oder gehen einfach weg. Ich verstehe das nicht Und je mehr Verluste ich erlitt, desto mehr klammerte ich glaube ich an den Menschen die noch da waren. Ich könnte noch viel sagen. Aber alles in allem bin ich froh, das Gott mir 3 Kids schenkte. Sie müssen zwar jetzt nach und nach ihr eigenes Leben leben und gleichzeitig sind wir füreinander da. Ich glaube, ich würde mich sonst manchmal als „einsam“ bezeichnen. Mittlerweile scheute das „gebrannte Kind“ nämlich etwas das Feuer. Lieben Gruß, Sandra

  5. Huhu….

    Oh wow. Der Text ist so schön und spricht einem aus der Seele.
    Man merkt, man spürt dass es vom Herzen kommt.
    Ich kenne es von der Schule und sehe es immer noch in der Arbeitswelt. Wenn jemand ausgeschlossen wird, finde ich das Furchbar. Klar, man kommt nicht mit jedem zurecht, aber ausschließen ist da keine Lösung.

    Man sollte auch einfach mal viel mehr danke sagen. Selbst bei kleinen Dingen, bringt es große Wirkung.

    Alles liebe

  6. schön geschrieben und ‚wahr… Wertschätzung und ernstgenommen werden mit seinen Problemen… das wünscht man sich. Ich kenne das auch, habs mittlerweile MEISTENS gut im Griff. Mein Blog ist auch ein bisschen Therapeutikum… auf MEINE Art eben. Kuck doch mal rein – und wenn’s nur mal zum schmunzeln statt grübeln ist. Muss auch mal sein. Außerdem müssen wir Pädagogen doch zusammen halten 😉
    LG Frau Müller
    http://www.kuckuckseiimlehrerzimmer.blogspot.de

  7. Ich finde besonders die poetischen Worte von Dennis sehr gut, sie sagen schon einiges darüber aus, wie mit kleinen Gesten viel „bewegt/getröstet/geholfen“ werden kann.
    Lieben Gruß
    Petra

  8. Vielen Dank für diesen tollen Post! Du bringst es einfach total auf den Punkt.
    Von Depressionen habe ich zwar nicht besonders viel Ahnung, aber Wertschätzung wird in unserer Gesellschaft wirklich zur Mangelware. Ich beobachte das schon lang immer öfter und versuche auch selbst anders zu sein. Aber so leicht ist das manchmal gar nicht…
    Als Lehrerin ist es für dich besonders wichtig und ich glaube du bist eine sehr gute Lehrerin! Wie viele ich schon hatte, die ihre Schüler (einschließlich mich) nur fertig gemacht und angebrüllt haben. Lob war da Mangelware. Und sowas lässt man auf Kinder los!
    Nochmal Danke für den tollen Post!

  9. „Bringt Wertschätzung in die Welt“
    – das gefällt mir am besten, denn ich glaube Wertschätzung tut uns allen gut und Achtsamkeit auch. Das gilt besonders für die schwierigen Phase und doch ist es eigentlich zeitlos. Ich hoffe sehr, dass die Trends von Entschleunigung und Achtsamkeit noch weiter in den Fokus rücken. Vor allem in dieser schnellen und manchmal auch sehr grausamen und traurigen Welt.
    Namaste.

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