Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, fehlen mir viele schöne Erinnerungen, die ich mit meiner Oma erleben konnte (bedauernswerterweise hatte ich nur eine richtige Oma). Denn ebenso wie mein eigener Vater ist auch meine Oma sehr früh gestorben und konnte mit ihren Enkelkindern nur wenige Lebensjahre verbringen. Dennoch bin ich froh, einige besondere Erinnerungen an sie in meinem Herzen zu halten. Was man mit seiner Oma erleben kann, ist nämlich ziemlich unterschiedlich. Meine Oma war sehr kreativ – von ihr habe ich wohl meine eigene kreative Ader geerbt – und liebte es, mir viele ihrer eigenen Interessen beizubringen. Auch in ihren Alltag hat sie mich integriert: kleine Arbeiten im Haushalt machten bei ihr immer viel Spaß und die Fahrradausflüge zum Krämerladen, wo es immer etwas Schönes für mich gab, waren wie ein Trip in die weite Welt… Doch das Abenteuer, das Ben mit seiner Oma erlebt, ist wirklich nicht zu toppen…

Eine ganz gewöhnliche Oma

Kennst du sie auch, die Oma, die tagein tagaus dasselbe tut? Sehr berechenbar und planbar ist ihr Tagesablauf und was dann am Oma-Tag passieren wird, hat auch mit Abwechslung sehr wenig zu tun… Vielleicht war das ein Bild, das über gewöhnliche Großmütter einmal in den Köpfen vieler Kinder und Enkelkinder vorhanden war. Wenn ich heutzutage an Omas denke, sehe ich nicht die grauhaarige Dame mit Knoten im Haar, Dauerwellenlöckchen, Faltenrock oder Strickzeug vor mir, sondern eine ganz moderne Dame, die oftmals selbst noch im Berufsleben steht, sich aktiv im Sportverein beteiligt, sich sozial engagiert oder insgesamt noch recht jung geblieben wirkt. Das ist zumindest ein Querschnitt derjenigen, die ab und zu mal ihr Enkelkind aus Krippe und Kindergarten abholen und mir dabei über den Weg laufen. Auch die Omas meiner Kinder entsprechen nicht dem Bild, das in Bilderbüchern oder aus einer älteren Generation noch besteht. Von gewöhnlicher Oma kann damit also keine Rede mehr sein. Doch Bens Bild seiner Oma entspricht eben diesem Klischee: Eine altmodische alte Dame, die ihren elfjährigen Enkel nach wie vor wie ein Kleinkind behandelt und jeden Freitag den gleichen Ablauf vollzieht: Sie wartet am Fenster auf die Ankunft ihres Enkels, hat ein Kohlgericht gekocht (Bens Oma liebt Kohl und bringt es fertig, sämtlichen Gerichten Kohl beizumischen), wartet sehnsüchtig auf die Abendbeschäftigung – eine Runde Scrabble – und freut sich darauf, ihrem Enkel pünktlich eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, die er ohnehin nicht hören möchte. 🙁

Hilfe – Wochenende!

Wenn das Wochenende am Freitag eingeläutet wird, würde Ben am liebsten ganz tief irgendwo versinken – denn jeden Freitag muss Ben zu seiner Oma. Am Freitag Abend leben seine Eltern nämlich in einer anderen Welt – in dieser Welt ist Pärchenzeit, die hauptsächlich mit dem Anschmachten eines Turniertänzers und dem Zuschauen einer Tanzsendung verbracht wird. Für Ben ein absoluter Horrortag, den er viel lieber allein in seinem Zimmer mit seiner Lieblingszeitschrift verbringen würde. Aber nein, die Oma wartet ja!

Ben ist ziemlich anständig und macht gut Wetter. Seine Oma hat er eigentlich lieb und möchte sie nicht verletzen – also sagt er ihr nicht, dass es im ganzen Haus nach Kohl stinkt, dass sie ständig pupst und so die ohnehin kohlgeschwängerte Luft verschlechtert, dass er keine Lust auf Scrabble hat und er ihre Kohlgerichte teilweise in Blumen oder anderswo verschwinden lässt. Auch dass er wie ein Kleinkind behandelt wird, obwohl er doch schon elf Jahre alt ist, erträgt er mit stoischer Ruhe – nur seinen Eltern gegenüber spricht er Tacheles. Sie selbst sind froh, sich nicht allzu lange mit Oma auseinandersetzen zu müssen und geben in dieser Hinsicht ein schlechtes Vorbild ab – doch in Bezug auf ihren Pärchenabend lassen sie sich auf keinerlei Verhandlungen ein. Ben muss freitags zu Oma!

Erstaunliche Entdeckungen

Wenn man keine Wahl hat, muss man sich seinem Schicksal fügen und das Beste draus machen… Und irgendwann gibt es dann doch noch etwas, das sein Bild der pupslangweiligen Oma komplett ins Wanken bringt. Oma hat es nämlich faustdick hinter den Ohren! Auf einmal kann es ihm gar nicht schnell genug gehen, bis ein neuer Freitag anbricht. In seinen Gedanken spinnt er sich die abenteuerlustigsten Dinge zurecht und überlegt fieberhaft, was man mit seiner Oma erleben kann. Jetzt freut er sich auf den Oma-Tag und möchte ihr Geheimnis lüften – er gibt alles und findet Mittel und Wege, seiner Oma auch ohne das Eltern-Taxi einen Besuch abzustatten.

Aber er benötigt Ausreden! So erfindet Ben die lustigsten Möglichkeiten, um seinen Eltern ganz andere Absichten vorzugaukeln – und reitet sich selbst immer tiefer in die Traumwelt seiner Eltern hinein. Gleichzeitig beabsichtigt er aber etwas ganz anderes und schmiedet einen tollkühnen Plan, um mit seiner Oma ein richtig großes Ding abzuziehen. Was Ben und seine Großmutter auf sich nehmen, mit wem sie persönliche Bekanntschaft machen und was für Überraschungen währenddessen noch so ans Licht kommen, werde natürlich nicht verraten.

Nur so viel: Ein Buch voller Überraschungen, aberwitziger Lügen-Stories und eine absolut köstliche Oma-Enkel-Beziehung, die unbedingt gelesen werden muss! Ich bin schon jetzt gespannt, was meine Tochter dazu sagen wird, wenn ich ihr das Buch gebe. Titel und Cover – sowie meine grinsende Mimik beim Lesen – haben sie schon jetzt sehr neugierig gemacht. Und wie heißt es doch so schön im Klappentext:

Du wirst Tränen lachen oder vielleicht weinen, auf jeden Fall wirst du deine Oma mit anderen Augen sehen.

Meiner Meinung nach ein absolut wundervolles Kinder- und Jugendbuch für alle – nicht nur für Kinder ;-). Es gibt nicht nur eine gute Geschichte, sondern auch etwas Hintergrundwissen zu Geschichtlichem oder Kulturellem (z.B. die Bedeutung der „Beefeater“), das ganz nebenbei eingestreut wird und ebenso ganz wichtige Lehren fürs Leben, die sich vor allen Dingen in meinem Lieblingszitat finden:

Nichts, was du tust, könnte je albern oder langweilig sein, Ben. Wenn du Klempner werden möchtest und es dein Traum ist, dann kann dir das niemand nehmen. Verstanden? Im leben gibt es nichts Besseres zu tun, als seinen Träumen zu folgen. Sonst verschwendet man bloß seine Zeit.

Das Buch

Gangsta OmaDavid Walliams (2016): Gangsta-Oma. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Übersetzung: Salah Naoura
Illustrationen: Tony Ross
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten

ab 10 Jahren

ISBN: 978-3499217401, € 14,99

weitere Infos zur Gangsta-Oma



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7 comments on “Was man mit seiner Oma erleben kann… (Rezension)”

  1. Klingt nach einem tollen und amüsanten Buch 🙂 Alleine das Cover finde ich ja schon süß gemacht hihi. So ne Oma hätte ich auch gerne gehabt^^

    Liebe Grüße,
    Janine

  2. Hört sich nach einem sehr lustigen Buch an und ich denke, es könnte meinem Ältesten gut gefallen.
    Ich hatte auch nur eine richtige Oma, aber die hatte auch so einige Flausen im Kopf. 🙂
    Manchmal haben wir so gar Klingelmännchen zusammen gemacht…

    liebe Grüße
    Rebecca

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