Lehrer wäre der Beruf, den ich heutzutage nicht (mehr) ergreifen würde!

In letzter Zeit häufen sich immer mehr solche Aussagen verschiedener Menschen, die sich mit mir über meinen Job unterhalten. Darunter sind ehemalige Lehrer, Menschen ähnlicher Berufsbilder oder aber auch Personen, die die unterschiedlichen Berufsfelder der Lehrer kennen.

In den Augen dieser Menschen ist das Lehrersein recht undankbar. In diesen Gesprächen wird auch immer wieder aus verschiedenen Gründen die Theorie mit dem Burnout auf den Tisch gebracht. Das Thema Lehrergesundheit konzentriert sich damit sehr auf psychische Belastungen. Dass dies für mich aufgrund meiner zurückliegenden schweren Depression ein Thema ist, ist für viele von euch bereits bekannt. Dass diese Belastungen jedoch kein Thema während meiner aktiven Dienstzeit sind, habe ich meiner eigenen Achtsamkeit aber auch vielen kleinen positiven Momenten im Rahmen der Dienstverpflichtung zu verdanken…

Elternarbeit

Eltern vertrauen darauf, ihr Kind in gute Hände zu geben. Natürlich wünschen sie sich, ihr Kind wäre gut in der Schule und würde nach bestem Wissen und Gewissen gebildet. Aus verschiedenen Gründen sind manche Wünsche nicht immer realistisch. Dennoch sind wir stets bemüht, jedem Kind mit seiner individuellen Art und Weise gerecht zu werden.

Wenn dann doch mal Gründe für Elterngespräche vorliegen, sieht die Wahrnehmung auf Elternseite manchmal anders aus. Elternarbeit kann dann recht anstrengend werden.

Was sich Lehrer wünschen

Doch manchmal gibt es auch ganz tolle Momente, von denen mein eigener Enthusiasmus zehrt.

  •  „Ich wollte Ihnen meinen Dank aussprechen für das, was Sie tagtäglich tun.“
  • „Wie Sie die Kinder im Blick haben und für die Kinder da sind, finde ich toll.“

Natürlich muss man das Ganze auch im Kontext sehen, um das Gewicht dieser beiden Sätze abschätzen zu können. Aber es ist immer schön, wenn sich ein Elternteil bei einem Elternsprechtag, beim Elternabend oder bei Klassenkonferenzen mit solchen Äußerungen einbringt. Das geht runter wie Öl! Lehrer brauchen das, um positive Energie zu sammeln und den besonderen negativen Belastungen, die das Lehrersein und meistens die Umstände drumherum mit sich bringen, standhaft entgegentreten zu können.

Mein Tipp an euch: Wenn ihr merkt, dass sich Lehrer oder Lehrerinnen engagieren, dann lobt sie! Es wird viel zu oft über die Dinge diskutiert, die vielleicht nicht so optimal laufen und gerade das schlägt Wellen, die schnell zu einem Tsunami anwachsen.

Wenn aber irgendwas gut läuft, sagt kaum jemand ein Wort. Wie oft wird das eigene Kind gelobt und wertgeschätzt? Warum nicht auch ein nettes Wort zu denjenigen, die dem Kind fast tagtäglich begegnen und viel Zeit mit ihnen verbringen?

Was von den Schülern kommt…

In der Grundschule sind die Schüler meistens sehr offen und unmittelbar. Es kommt sehr häufig vor, dass sie die Nähe der Lehrer suchen. Nicht selten werde ich zur Begrüßung umarmt oder aber zum Dank für eine gute Note mit einem selbst gemalten Bild belohnt.

Für mich ist das immer komisch, denn ich vergebe ja nur Noten, die sich die Schüler aufgrund ihrer Leistung verdienen und nicht, weil ich sie persönlich ins Herz geschlossen habe… Ich sage dann immer, dass sie sich selbst loben müssen, denn sie haben ja auch viel für eine gute Note getan. Trotzdem sauge ich jedes Lächeln, jedes strahlende Auge oder anderweitige Glücksmomente meiner Schüler auf. Wenn ich merke, wie sie sich begeistern lassen oder wie viel Freude ihnen bestimmte Unterrichtsmomente machen, dann weiß ich, warum ich auch an anstrengenden Tagen immer noch gern Lehrerin bin. Ganz davon abgesehen finde ich es auch spannend, mit den Schülern kreativ tätig zu sein – auch das liebe ich an meinem Beruf :-).

In dieser Woche gab es von einem Schüler eine Geschichte für mich. Am vergangenen Wochenende hatte er sich hingesetzt und mir eine fantasievolle Geschichte über ein Schaf geschrieben. Eine andere Schülerin bastelte vor zwei Wochen einen Schwan in einer Origamitechnik und wiederum eine andere Schülerin malte mir ein schönes Bild mit unserem Schulmaskottchen, das ich vor einem Jahr mit einer Gruppe Schülern entwickelt habe.

Lehrer loben, Lehrergeschenke von Schülern

Unterm Strich

Selbst die Erinnerungen an ein Lächeln von eher zurückhaltenden Schülern oder aber kleine selbstgemachten Aufmerksamkeiten, machen meinen Beruf für mich erstrebenswert. Auch wenn das „Lehrersein“ mittlerweile deutlich mehr an dem Dasein einer Verwaltungsfachkraft gleicht und der größte zeitliche Anteil am Schreibtisch oder in Elternarbeit investiert wird, sind die Momente der „Kür“ in der Schule oftmals ganz besonders. Unterm Strich ist es für mich nach wie vor ein toller Beruf, der – wie jeder andere auch – ab und zu auch mal Schattenseiten hat.

 

Gefällt dir der Beitrag? Dann freue ich mich übers Teilen 🙂

3 comments on “Was sich Lehrer manchmal wünschen”

  1. Ich persönlich wollte nie Lehrer werden, aber werde ab und zu so bezeichnet! Manche Eltern erzählen ihren Kindern nämlich, sie gehen zur „Sprechschule“ und dann bin ich halt dort die „Lehrerin“. Letztens war ich auch die „Ärztin“ 🙂 Über nette Worte freue ich mich auch immer und über kleine Geschenke von den Kindern auch! Hab auch schon Bildchen bekommen.

    Trotzdem stelle ich mir den Job „Lehrer“ heutzutage wirklich schwer vor! Soviel Arbeit, wie da noch dahinter steckt, die die Eltern gar nicht mitbekommen! Mein Respekt!

    Liebe Grüße
    Jana

    • Ja das stimmt, die meiste Arbeit findet nach/vor dem Unterricht statt. Und damit meine ich nicht nur die Vorbereitung des Unterrichts, sondern zahlreiche Elterngespräche, Konferenzen, Gespräche mit Therapeuten, ggf. Gespräche mit Jugendämtern usw. Die Liste ist endlos- gefühlt zumindest!
      Liebe Grüße und danke für den aufmunternden Kommentar,
      Yvonne

  2. Hallo Yvonne,
    ich (Lehrerin am Gymnasium), sehe das ganz ähnlich wie du. Wenn mich jemand fragt, was das Anstrengendste an meinem Job ist, dann lautet meine Antwort: „die Eltern“, weil es hier so viele aufreibende Diskussionen gibt, die aus enttäuschten Eerwartungen oder zu hochgeschraubten Ansprüchen der Eltern an uns und ihre Kinder entstehen. Auch wenn das mit den kleinen Aufmerksamkeiten in der Oberschule von Schülerseite her kaum vorkommt, so empfinde ich den Schülerkontakt und die ständige Abwechslung im Job mit ihnen als sehr bereichernd und oft auch aufbauend.
    LG Iris

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.