Um zu erzählen, wie ich meinen Job lieben lernte, braucht es etwas Zeit. Ich hoffe, du nimmst dir ein paar Minuten, den mein persönlicher Weg ist lang und besonders kurvig! Obwohl ich noch nicht wirklich alt bin – naja für meine Kinder ist man mit 36 schon steinalt 😉 –  habe ich in Punkto Berufsleben schon einiges erlebt. Als Jugendliche verdiente ich mir mein Geld mit Babysitting, Nachhilfeunterricht, Aushilfstätigkeiten in der Baumschule, beim Catering oder beim Putzen. Alles, was ich tat, habe ich mehr oder weniger gern gemacht. Irgendwie war das für mich nie ein Problem. Probleme gab es erst, als ich mit der Schule fertig war und irgendwas tun musste.

Eine falsche Ausbildung?

Als Dorfkind ergriff ich die Chance, bei einem großen Versicherungsunternehmen in der Stadt eine Ausbildung anzufangen. Sehr schnell merkte ich, dass es mich viel kosten würde, diesen Job lieben zu können. Also schmiss ich die „sichere Bank“. Sehr zum Missfallen meiner Eltern wohlgemerkt! Dass ich dann auch noch fast 300 km weit weg gezogen bin und fortan ganz andere Wege einschlug, machte die Sache natürlich nicht besser… Doch all diese Erlebnisse waren für meine Entwicklung sehr wichtig, denn sonst könnte ich jetzt wohl nicht das machen, was ich beruflich mache.

Auf der Suche nach dem beruflichen Sinn

Aber bevor ich meinen tatsächlichen Job gefunden habe, dauerte es noch viele weitere Jahre…Fernab der Heimat schlug ich mich weiter durch und jobbte in einem Gartencenter, band Blumensträuße und suchte nach neuen Ausbildungsmöglichkeiten. Also nach dem, was mich wirklich interessierte! Irgendwas Kreatives sollte es sein, Fotografie und Goldschmiede reizten mich. Ich schnupperte rein und fühlte mich dabei nicht gut. Dann jobbte ich vorübergehend als Briefzustellerin und verdiente gutes Geld, doch noch immer suchte ich nach der beruflichen Erfüllung und einer reizvollen Ausbildung. Schließlich landete ich im Reisebüro, machte dort eine solide Ausbildung und beendete sie erfolgreich.

Karriere nach der Ausbildung?

Mit bestandener Prüfung führte mein Weg mich hinter die Kulissen, so dass ich fortan beim  Reiseveranstalter tätig war. Dort traute man mir einiges zu, meine Aufgabengebiete wuchsen und ich verhandelte erfolgreich um Gehaltserhöhungen.

Sprosse um Sprosse auf dem Weg nach oben – so wollte ich meine Karriereleiter erklimmen. Doch diese Rechnung hatte ich ohne die geheime Firmenphilospohie gemacht. Da ging es mir nämlich ähnlich wie BEngel, der Protagonistin im folgenden Buch:

den Job lieben

Die Sache mit den großen Unternehmen

Für große Unternehmen zu arbeiten hat so seine Tücken. Es gibt nämlich Hierarchien – teilweise unüberwindbare! Dann den Job lieben zu können, ist wahrlich eine Herausforderung! Wenn du da nicht mithältst und fleißig mit dem Kopf nickst, obwohl der eigentlich eine Seitwärtsbewegung machen möchte, hast du verloren. Es soll zwar auch kritikfreundliche Abteilungen geben, aber die habe ich nicht gefunden. Kaum hat man viel Verantwortung, muss man diese vor anderen verteidigen. Nicht, dass es mir keinen Spaß gemacht hätte, vor den hohen Herren Präsentationen abzuhalten und ihnen von meinen fulminanten Ideen für Automatismen gewisser Arbeitsabläufe zu berichten ;-).

Ja zugegeben, so ein „phishing for compliments“ hat mir etwas bedeutet, aber letztlich war es doch der Blutsauger, der dann immer mehr wollte. Effektiv war das Ganze in dem Ausmaß nämlich nicht mehr – viel Zeit ging für Meetings und deren Vorbereitung drauf, die ich andernorts wieder einholen musste. Es gab Zeiten, da war ich von 07:00 bis 21:30 Uhr im Büro, aber es hat mir Spaß gemacht – glaubte ich zumindest!

Ein Schlag ins Gesicht

Denn um wirklich über das nachzudenken, was ich an diesem Job lieben konnte, fehlte es an Zeit. Den finalen Denkanstoß gab es aber dann, als ich mich in eine andere Abteilung versetzen lassen wollte. Bei einem Reiseunternehmen zu arbeiten und dann nicht auch mal ne Dienstreise zu machen, war für mich frustrierend. Ich wollte in den Einkauf und mir Hotels vor Ort anschauen, mit Hoteliers verhandeln und gute Produkte zusammenstellen. Es war eine Stelle frei und die dortige Abteilungsleiterin zwinkerte mir wohlwollend zu. Aber es kam anders, mein Chef wollte nicht!

Du kannst dich gern überall hin bewerben. Letztendlich entscheiden wir im Unternehmen, wo du für uns wertvoller bist! Da du hier bei mir unentbehrlich bist und meine Abteilung in dem Sinne wichtiger als der Einkauf ist, sieht es unterm Strich für mich am besten aus. Aber probier es gern aus!

Das war nahezu der O-Ton, den mein damaliger Abteilungsleiter von sich ließ und damit mein persönliches Fass zum Überlaufen brachte. Ich blieb in der Abteilung, gründete aber eine Familie. Vor der Elternzeit hatte ich dann auch noch genug Überstunden und Urlaub angesammelt, dass ich bereits Ende des 7. Monats in Elternzeit ging und nie wieder gekommen bin! Denn als mein Kind geboren war, änderte sich so einiges in meinem Leben.

Mit anderem Blickwinkel den Job lieben können

Als Mutter war mir meine berufliche Zukunft erstmal egal. Ich genoss es, für meine Tochter da zu sein und horchte nur mal ab und zu über meine Freundin, wie es im Unternehmen lief. Innerlich richtete ich mich darauf ein, nach einem Jahr wieder zu arbeiten. Doch dann kam alles anders: Ich nahm meine komplette Elternzeit am Stück und verwirklichte einen Herzenswunsch. War es mir nach dem Abitur nicht möglich, ein Studium zu beginnen, so holte ich es jetzt nach!

Ich änderte nicht nur mein Leben, sondern auch mein berufliches Denken. Klar liebte ich, was ich vorher tat, aber die Leidenschaft wurde gebremst und irgendwas fehlte. Diese Leidenschaft wurde durch eine kleine Flamme erweckt und durch meinen persönlichen Erfolg im Studium zum Lodern gebracht. Ich wurde gefordert, habe gelernt und konnte zeigen, zu was ich in der Lage war – auch wenn ich nach Jahren ohne Schulbank ziemlich viel Respekt vorm erneuten Lernen hatte.

Mit Freude arbeiten

Aber der Weg hat sich gelohnt! Heute stehe ich meistens mit vollem Elan im Klassenzimmer, habe offene Ohren für meine Schüler und liebe, was ich tue. Jeder Tag ist anders, auch wenn sich viele Themen im Laufe der Jahre wiederholen – die Reaktion der Schüler ist immer verschieden – und genau das mag ich! Diesen Job lieben und mit Feuereifer durchführen zu können, ist mir jede Mühe wert 🙂

Wenn ich morgens in den Spiegel blicke, freue ich mich auf meinen Unterricht. Ich bin gern Lehrerin und sehr froh, den Weg aus dem bedrückenden Hamsterrad des alten Jobs geschafft zu haben und das, obwohl ich auch den alten Job sehr mochte. Rückblickend sieht man viele Dinge halt anders.

Deshalb konnte ich mich recht gut mit BEngel identifizieren, denn auch sie ist Teil eines Hamsterrades und möchte revolutionieren. Sie mag ihren Job eigentlich – eigentlich auch wieder nicht, denn viele Abläufe erscheinen ihr sinnlos. Was ihr hilft, ist auch ein Wechsel der Perspektive und ganz viele Post-Its mit Notizen an sich selbst! Schlussendlich kann auch sie ihren Job lieben, aber wie ihr das gelang, müsst ihr schon selbst lesen ;-).

Zur Einstimmung hab ich da noch was gefunden: „Ich liebe meinen Job“ (Massive Töne)

Weitere Infos zum wirklich lustigen Buch – mit haufenweise satirischer Bemerkungen zum typischen Jobleben in einem großen Unternehmen – gibt es hier.

Übrigens gibt es auch morgen bei Sabrina im Vereinbarkeitsblog jede Menge neue Einsichten zum Thema „den Job lieben“ :-).

Gefällt dir der Beitrag? Dann freue ich mich übers Teilen 🙂

4 comments on “Wie ich meinen Job lieben lernte”

  1. Ich finde es total wichtig, den Job zu finden, der zu einem passt. Ich bin erstaunt, was du beruflich schon alles ausprobiert hast und es freut mich, dass du letztendlich deine Berufung gefunden hast. Ich hatte auch auf Rat meiner Familie nach der Schule eine andere Ausbildung begonnen, in der ich tot unglücklich war. Das waren die furchtbarsten 2,5 Jahre meines Lebens, ich habe mich jeden Tag dahin gequält. Zum Aufgeben hatte ich nicht den Mut. Aber zum Glück habe ich später auch wie du nochmal neu angefangen und bin, in dem was ich jetzt mache, auch viel glücklicher!

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Ein sehr spannender Beitrag! Mit den Hierarchien das hat mich in großen Firmen auch immer gestört. Momentan bin ich in einem kleineren Unternehmen und ganz zufrieden. 🙂

  3. Ich finde deinen Jobweg toll. Bei mir war es anders aufregend aber nicht mit so einem guten beruflichen Ende. Ich überlege gerade, was jetzt in der besagten zweiten Lebenshälfte so dran sein könnte. Einen lieben Gruß, Sandra

  4. Die meiste Zeit verbringt man in und mit seinem Job, deshalb sollte jeder Freude an seiner Arbeut haben!
    Alles was man liebt, macht man gut und mit Leidenschaft… so sollte es im Normal-Fall sein.
    Jedenfalls zieh ich den Hut vor deiner Arbeit… Lehrer zu sein ist in der Jetzt-Zeit sicher nicht mehr so einfach als vor 30 Jahren….
    Weiterhin viel Freude dabei und alles Liebe Sandra!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.