Narben prägen mein Leben. Sie sind sichtbare Zeichen vergangener Zeiten: Gute Zeiten, weil Leben geschenkt wurde oder schlechte Zeiten, weil das Leben auch Täler bereit hält. 

Jede Narbe erzählt eine Geschichte, aber nicht jede Geschichte möchte erzählt werden… Äußere Brüche, die allmählich heilen, schirmen innere Wunden ab, die nicht aufhören zu bluten. Tief drinnen will ein stetes Rinnsal warmen Blutes nicht versiegen. Der Quell des Lebens – mit jedem Herzschlag verteilt. Der Schmerz ist ein Teil davon – er vergiftet die Seele! 

Geschundene Seele

Sie ist gefangen und nur in den Träumen ist sie frei:

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Doch auch im Traum holt die Realität mich ein. Das vergiftete Blut färbt sich dunkel und gerinnt. Wie zähflüssiger Teer sucht es sich seinen Weg und macht das Herz schwer. Wo ist die Freiheit, das schöne Gefühl? Wo ist die Leichtigkeit? Es ist kalt und wird immer kälter – innerlich erstarre ich.

Wie ein Stein fühle ich mich. Das Gift muss raus! Ich bin nicht mehr ich!

Erzwungene Freiheit

Ein Lichtstrahl lässt eine Klinge silbern aufblitzen. Welch süße Verführung sie verspricht… Ich gebe mich der Verlockung hin und lasse das Gift aus mir fließen. Langsam sickert es hinaus und hinterlässt eine tiefe Furche. Ich sehe einen Graben seelischer Qualen, in denen die Geister der Vergangenheit ihre hässlichen Fratzen zeigen.

Alles wirkt real und doch ist es ein Traum – ein bitterer Albtraum, der den täglichen Wahnsinn manchmal unerträglich erscheinen lässt…

Depression Dirk Ludwig
© Dirk Ludwig

Dieser Text ist ein Beitrag zum [*.txt]- Projekt. Auch wenn nur am Rande das Schlüsselwort auftaucht, stellt es implizit einen inhaltlichen Bezug zum Schlüsselwort „Wahn“ her und beschreibt ein Gefühl, das auf eine ernstzunehmende Krankheit hinweisen soll.

Es geht um Depressionen und den inneren Druck einer Krankheit, die viele Gesichter hat und nach wie vor zu wenig Beachtung in der Öffentlichkeit findet. Der Fotograf Dirk Ludwig hat aus genau diesem Grund eine Aktion ins Leben gerufen, mit der er auf diesen Missstand durch künstlerische Fotografie hinweisen möchte. Dieses Projekt unterstütze ich geraunt freue mich, seine Bilder zur Untermalung dieses Textes nutzen zu dürfen.

Weitere Infos zum gesamten Projekt gibt es übrigens hier.

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1 comment on “Wie Narben auf der Seele => [*.txt]”

  1. Huhu..

    Also erst einmal finde ich die Bilder *insbesonderes das mit der Frau* wirklich top.
    Dass passt super zum Inhalt des Textes.
    Das Projekt des Fotografen finde ich echt ne tolle Idee. Hab ich vorher noch nie von gehört..

    LG

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