Was ich eigentlich den ganzen Tag mache, ist eine gute Frage. Irgendwie immer zu viel und doch noch zu wenig. So zumindest sehe ich das Ganze, wenn ich meinen Start in der Grundschule betrachte: Viel Engagement und zu wenig Output. Aber dazu komme ich gleich noch…

Unterricht in der Grundschule

Die wirklich interessanten Dinge passieren außerhalb der eigenen Wände – nachdem sich der morgendliche Trubel nach dem Aufstehen gelegt hat. Dann, wenn ich den Klassenraum betrete und die Tafel für den Unterricht herrichte – denn soweit komme ich oftmals erst nach vielen kleinen Anliegen, die die Schüler an mich richten. So wie heute! Kaum komme ich in den Klassenraum, umringt mich eine kleine Traube junger Menschen, die alle wild durcheinander reden und jeder für sich eine einzige kleine Frage beantwortet haben wollen: „Was machen wir heute?“

Dieser Frage komme ich ja gern entgegen, indem ich die entsprechenden Symbole der Deutschstunde zur visuellen Erläuterung des Unterrichts an die Tafel pinne, doch heute ist alles anders. Ob das wohl daran liegt, dass ich in letzter Zeit die Daumenschrauben etwas angezogen habe und bald eine Klassenarbeit ins Haus steht? Ja so wird es sein…

Ich schicke die Schüler also zu ihren Plätzen, fordere sie auf, ihre Materialien auf den Tisch zu legen und kümmere mich ums Tafelbild für die Stundentransparenz. Dann geht es los: Begrüßung, Besprechung des Tagesablaufs und – oh, was war das? Kleckerweise schleichen sich verspätete Schüler in den Raum, murmeln etwas wie eine Entschuldigung vor sich her und ziehen die Aufmerksamkeit der anderen auf sich. STOPP! Kurzer Break, bis alle Schüler ihren Platz gefunden haben und dann geht es Schlag auf Schlag weiter. Der Unterricht startet mit einem Wurfballspiel. Die Schüler sind motiviert und registrieren endlich mal, dass der Unterricht begonnen hat. Alles läuft gut, in der Arbeitsphase wird unglaublich gut gearbeitet. Doch dann kommt das Thema Hausaufgaben zur Sprache! Seit mehr als drei Wochen sammele ich diese nämlich ein. Ihr glaubt gar nicht, was ich mir da heute für Ausreden anhören durfte… Nicht die normalen Ausreden – die ja auch durchaus mal sein können – sondern die Ausreden, die ganz klare Frechheiten sind… Ich gehe mal nicht darauf ein, denn die Daumenschrauben mussten heute bei einigen Jungs festgezogen werden. Mit anderen Worten, heute musste ich mir Einträge notieren, wenn man dreimal die Chance nicht ergreift, seine Hausaufgabe nachzuholen, dann fällt mir fast alles aus dem Gesicht. Da helfen auch keine Kullertränen mit Ausreden, die mich wirklich zwingen nicht loszulachen. So wurde auch die halbstündige Pause noch für Vier-Augen-Gespräche genutzt. Irgendwie scheint nicht anzukommen, dass sie die Hausaufgaben für sich machen, damit sie für die Klassenarbeit gut gerüstet sind? All die Arbeitsblätter, die ich zusammengesucht habe, die ich teilweise auf die einzelnen Bedürfnisse meiner Schützlinge zugeschnitten und differenziert habe… So viel Arbeit und dann für nichts… Dabei wünsche ich mir doch so sehr, dass gerade die schwachen Kandidaten auch mal Erfolgserlebnisse und keine 5 auf dem Papier stehen haben. Meine idealistischen Vorstellungen und Bemühungen sind wohl doch vergebens. Ich müsste mal loslassen lernen…

Nach der Pause habe ich eine Freistunde und bringe einer kranken Schülerin Arbeitsmaterial vorbei. Immerhin fällt in der nächsten Woche wegen Rosenmontag der Unterricht zugunsten einer Faschingsfeier flach. Da die Moral der Schüler zum Mitbringen von Arbeitsmaterialien und Hausaufgaben nicht gerade die beste ist, nehme ich das selbst in die Hand. Immerhin freut sich die Schülerin über meinen Besuch und schenkt mir ein Lächeln – Mit den besten Genesungswünschen verabschiede ich mich und gehe den nächsten imaginären Punkt auf der Tagesordnung an.

Therapie

Liebes HerzIch fahre zum Kindergarten und hole meine Kleine zu ihrer wöchentlichen Therapiestunde ab. Während die Therapeutin mit ihr arbeitet, habe ich im Wartebereich genug Zeit, um es mir im Sessel bequem zu machen und ein Buch zu lesen – kurze Zeit zum Durchatmen.

Im Anschluss bringe ich sie pünktlich zum Mittagessen zurück in die Kita und mache ein paar Besorgungen.

Was man halt so macht…Lindt Hello Smiley

Der Weg führt mich zur Post, zum Einkaufscenter und zurück nach Hause. Tasche abstellen, Einkäufe weglegen und dann ein kurzes und sehr ungesundes Essen. Heute Nacht habe ich schlecht geschlafen und lege mich ne Weile aufs Sofa. Schon klar, dass ich einschlafe, oder? Unter meiner Kuscheldecke ist es so gemütlich, dass ich auch nach dem kleinen Power-Nap noch die Sofa-Zeit genieße.

Während ich jetzt am Rechner sitze und #WMDEDGT niederschreibe, bin ich im Kopf schon bei den anderen Punkten der Tagesordnung: Entwicklungsgespräch im Kindergarten, Kinder abholen und … naja, mir fällt schon was ein. Immerhin hat die Große heute wieder einen Übernachtungsgast und dann wird es automatisch turbulent.

Was andere Leutchen am 5. eines jeden Monats so machen, ist bei Fr. Brüllen zu lesen. Und da werde ich diesen Beitrag auch noch verlinken ;-).

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8 comments on “#WMDEDGT im Februar = Tatort Grundschule”

  1. Ist das immer am 5. des Monats? Ich hatte die Woche über frei, war aber nur krank und bin heute für zwei Termine zur Arbeit gefahren, da ich die nicht absagen wollte. Zum Glück hat meine Stimme mitgemacht, gestern klang ich noch wie ein Reibeisen 🙂 Jetzt lieg ich im Bett, schreibe dir einen Kommentar und häkel nebenbei an meiner neuen Decke weiter 🙂 Kann nicht abwarten, bis die fertig ist 🙂 Ach und der letzte Schluck weiße heiße Havel steht noch neben mir! Durch die Glühweingewürze schmeckt sie leicht winterlich … aber meiner Meinung nach nicht so intensiv wie die rote Variante!

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Du hast ja echt einen bewegten Tag gehabt.
    Was mir zu deinem Grundschulvormittag spontan einfällt, ist eine der obersten Lehrerregeln, die ich in meiner Berufszeit als Lehrerin auch erst mit der Zeit lernen konnte/musste: Schüler loslassen und vom Privatleben trennen, ihnen nicht hinterherlaufen und ihre Schicksale nicht mit nach Hause nehmen. Das tut 1. ihnen gut, wenn sie ein bisschen älter sind, und entlastet 2. dich selbst nicht nur zeitlich, sondern auch emotional, denn es entstehen keine unnötigen Abhängigkeiten. Obwohl ich es nie gemacht habe und noch nicht mal in Erwägung gezogen habe, finde ich deinen Hausbesuch ja recht beachtlich. Wird das an deiner Schule erwartet?
    LG Iris

    • Hallo Iris,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast mit Vielem recht und das Loslassen wird sich irgendwann auch mal bei mir einstellen – hoffe ich.
      Natürlich wird der Hausbesuch nicht erwartet. In der Regel bringen die Schüler sich die HA gegenseitig mit – bei meinen Schülern klappt das jedoch nicht zuverlässig. Leider ist die Klassengemeinschaft sehr schlecht, so dass wir im Kollegenkreis schon viele Unterrichtsstunden für Kooperationsspiel u.ä. Aktionen opfern, um die Schüler halbwegs teamfähig zu machen. Der Hausbesuch hat sich für mich aus der Notwendigkeit heraus ergeben, der Schülerin rechtzeitig mitzuteilen, dass sie in der kommenden Woche eine Arbeit schreiben würde und ihr entsprechende Materialien zur Verfügung zu stellen, die sie ggf. nacharbeiten kann. Sie wohnt allerdings auch etwa 200 Meter von der Schule weg, so dass das für mich vertretbar war.
      LG Yvonne

      • Hallo Yvonne,
        wir regeln iin meiner Klasse solche Dinge wie Weitergabe von Terminen oder HA und Arbeitsmaterial per Emaili an die Eltern bzw. bei älteren Schülern auch an die Schüler selbst (bin am Gymnasium). Gerade die Elternkommunikation klappt über diese Verteiler recht gut und man hat kein Gerenne. Es ist schon traurig, wenn eine Klasse nicht zueinander findet. Bei uns steht deshalb direkt nach dem Wechsel zu uns auf die Oberschule eine Teamtrainingsfahrt zur örtlichen Sportjugend an. Das läuft meistens ganz toll. Lass dich nicht unterkriegen!
        LG iris

        • Soweit ist es bei uns leider noch nicht. Viele Kinder kommen aus Elternhäusern, in denen kaum Deutsch gesprochen wird, so dass Elternkommunikation in diesen Fällen ohnehin sehr schwierig ist.
          Manchmal können wir froh sein, wenn sie ihre KInder rechtzeitig in die Schule schicken. Oft trudeln diese erst zur zweiten oder dritten Stunde ein oder kommen manchmal gar nicht. Zudem werden sie nicht mit erforderlichen Schulmaterialien zur Schule geschickt – wiederholte Elterngespräche haben bislang keinen Erfolg gezeigt. Manchmal ist das ziemlich traurig, denn die Kinder nehmen das an, was ihre Eltern ihnen vorleben.
          Danke trotzdem für deine aufmunternden Worte!
          Liebe Grüße
          Yvonne

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