Tugenden wie Gelassenheit und Geduld sind nicht gerade meine Stärke, doch mit zunehmendem Alter – immerhin bin ich nun 35 – und dem Absinken meiner Merkfähigkeit nehme ich mir zumindest vor, an diesen Tugenden zu arbeiten. Seitdem ich nicht mehr hochleistungsmäßig mein ganzes Leben zu organisieren versuche und mir wirklich eingestehen muss, dass ich nicht mehr so viel auf die Kette bekomme, wie zu meinen besten Zeiten, ist ein Hauch von Gelassenheit in der Luft. Alle, die mich kennen, werden jetzt sicherlich schmunzeln, aber seid ehrlich, ich bin schon viel gelassener als vor drei Jahren geworden!!!Alle, die mich und meine sehr quirliges Leben nicht kennen, müssen jetzt mal ein paar Randinformationen bekommen. Also:

  1. bin ich sehr ehrgeizig und seltenst mit mir und meiner Leistung zufrieden
  2. bin ich rastlos und immer voller Ideen. Mich zur Ruhe zu setzen, etwas zu genießen oder einfach mal die Seele baumeln zu lassen, ist für mich sehr arbeitsintensiv.
  3. überfordere ich mich mit meinen Ansprüchen. Meine eigene Messlatte hängt wahnsinnig hoch und lässt mich immer wieder den Fehler machen, meine eigene Leistbarkeit bis zum Anschlag zu strapazieren.

Die Liste könnte ich nun noch bis ins Unendliche weiterführen. Eine kluge Frau sagte mir vor einiger Zeit: „Also es gibt ja nichts, was ich dir nicht zutrauen würde. Selbst wenn jemand von dir verlangen würde, den Eiffelturm in fünf Jahren mit deinen eigenen Händen abzutragen, würdest du es noch hinbekommen!“ Ein Kompliment, hinter dem jedoch viel Sorge steckt. Denn meine eigenen Grenzen akzeptiere ich nicht, was auch bedeutet, dass ich meine eigenen Bedürfnisse verleugne und immer auf der Jagd nach einem neuen Ziel bin. Gelassen sein und Dinge einfach mal auf mich zukommen zu lassen, sich einer ungeplanten Situation ohne Vorbereitung zu stellen oder einfach mal einzusehen, dass ich niemals fehlerlos sein kann – Eigenschaften, die mir nahezu fremd sind. Nicht zuletzt dadurch habe ich mich selbst krank gemacht und wurde depressiv. Doch auch diese Zeiten habe ich gebraucht, um mir wenigstens bewusst zu werden, dass Entschleunigung und Achtsamkeit, Geduld und Gelassenheit Tugenden und notwendige Maßnahmen sind, um mein Pensum als Mutter, Lehrerin, gute Freundin und was auch immer ich sonst noch alles zu sein pflege, in vernünftigem und gesundem Maß leisten zu können.

Auf der Basis dieser Informationen könnt ihr, liebe Leser vielleicht verstehen, wie hart meine Arbeit an mir selbst ist und warum ich euch ans Herz legen möchte, euch und euer Handeln auch kritisch zu beäugen, wenn ihr ebenfalls in einem Hamsterrad oder in einer Endlosschleife des Funktionierens gefangen seid…

Manchmal bedarf es nur eines klaren Augenblicks, um seinem Leben eine andere Wendung zu geben. Welche Wendung ich ihm gebe, bleibt mir überlassen. Wichtig ist aber die Konsequenz meines Handelns! 

In den letzten Jahren habe ich immer wieder Bücher gelesen, die meine Persönlichkeit erweitern, verändern oder verbessern sollten. Zusammen mit Gesprächen oder Seminaren, in denen Wege zur Veränderung angepriesen wurden, verfüge ich mittlerweile über ein reflektiertes Repertoire. Komischerweise hilft es mir, anderen Menschen entsprechenden Rat zu geben, findet aber für meine eigene Persönlichkeit kaum Veränderung. Woran liegt das? Als Antwort kann ich nur entgegen halten, dass ich mir keine Zeit für mich nehme. Ich nehme mich nicht so wichtig und genau da liegt die Crux. DAS DARF NICHT SEIN!

Die Gelegenheit, ein entsprechendes Buch zu rezensieren und mich damit an einer Blogtour zu beteiligen, habe ich für eine kleine Wesensveränderung genutzt und lasse euch hiermit an meinem Praxistest teilhaben.

BlogtourWer bin ich?

Eine scheinbar leichte Frage, die mich viele Augenblicke Tage beschäftigt hat. Wer bin ich, wie bin ich und was beinhaltet meine Persönlichkeit? Fragen, die für mich nicht leichtfertig zu beantworten sind, da ich an sich sehr selbstkritisch bin und mein Licht eher unter den Scheffel stelle anstatt mich realistisch einzuschätzen. Durch viele Rückmeldungen weiß ich, wo meine Stärken liegen und habe auch erkennen müssen, dass sich diese Stärken im Laufe der letzten Jahre verändert haben: War ich noch vor fünf Jahren unglaublich merkfähig und hatte ein Gedächtnis wie ein Elefant, so muss ich doch jetzt feststellen, dass dem nicht mehr so ist. Aber wozu gibt es denn Notizbücher? Blöd nur, wenn sich die Merkfähigkeit auch ins Schusselige überträgt und ich dann stundenlang Sachen suche, weil ich sie unachtsam irgendwo abgelegt habe. Aber das ist eine andere Geschichte! Denn durch die Beschäftigung mit dem Buch „Endlich gelassen leben“ habe ich gelernt, dass es vollkommen ok ist, Fehler zu machen und sich diese auch einzugestehen. Da habe ich ja nun eine schöne Überleitung vom Thema Stärken zum Thema Schwächen hinbekommen – ja manchmal gelingen mir Sachen ganz von allein :-). Scherz beiseite!

Akzeptanz

Für die Beschäftigung mit mir und damit für die Entwicklung eines Bewusstseins für das eigene ICH habe ich mich selbstkritisch analysiert und mir klar gemacht, welche Stärken und Schwächen ich so habe. Sieht wirklich komisch aus, wenn man es schwarz auf weiß vor Augen hat, aber es hilft! Denn mit einem Mal wird ein subjektives Empfinden – nach dem Motto „mir gelingt nichts mehr“ oder „alles ist doof“ durch Fakten redigiert und mit einem Mal ändert sich die Stimmung, denn so blöd wie ich dachte, bin ich gar nicht :-). Eigentlich mag ich mich sogar und über meine kleinen Schwächen kann ich nun meistens hinwegsehen. Der erste Schritt in Richtung Gelassenheit ist damit getan = Selbstakzeptanz…

Multitasking

Es gibt eine Zeit im Leben, da gilt Multitasking als wertvolles Gut. Nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Familie: Stillen, einem anderen Kind vorlesen und dabei auch noch über das zuzubereitende Mittagessen nachdenken – kenne ich alles. Aber bringt mich das irgendwie weiter? Nein! Denn wenn ich möglichst viele Aufgaben in einen straffen Zeitplan stecke, dabei versuche, irgendwie gleichzeitig tätig zu sein, kann ich nichts wirklich richtig! Und dann bin ich wiederum enttäuscht, wenn mir eine Sache nicht gelingt… Das möchte ich nicht mehr und deshalb wende ich mich vom Multitasking-Leben weitestgehend ab. Ausklammern werde ich meine berufliche Tätigkeit, denn während ich im Klassenzimmer stehe und unterrichte, muss ich tausende Dinge gleichzeitig beachten und entsprechende Entscheidungen fällen – da ist Multitasking dann wiederum sinnvoll. Zurück zum Privaten! Hier wende ich mich nun ACHTSAMER den Dingen zu. Ich nehme mir Zeit und widme mich meinem Thun mehr und mehr bewusst. Schon während meiner Depressionsphase wurde ich mit dem Wunder der Achtsamkeit konfrontiert. Was man nicht so alles herausfindet, wenn sich der Fokus nur auf eine Sache richtet… Als Schokoholic habe ich dazu folgende Übung gemacht: Ein Stück Schokolade lutschen und es schmelzen lassen. Kein Scherz! Das dauert echt lange, bietet aber einen Mehrwert, den ich nicht hätte, wenn ich es so nebenbei verschlinge. Und ich weiß, wovon ich da rede! Eine Tafel Schokolade hält bei mir in Stresszeiten keine drei Minuten durch und genau da liegt der Hund begraben, denn STRESS ist hierbei eine richtige Gefahr.

Stressbewältigung

Wenn ich achtsam bin und mir und meiner Umwelt achtsamer begegne, endschleunige ich mich fast automatisch und ganz von allein wirke ich dem bösen negativen Stress entgegen. Die Kunst ist nun, seinen natürlichen Stress, der sich im Alltag zeigt, relativ entspannt entgegen zu treten. Noch besser: ihn von vornherein zu minimieren! Wie kann ich das anstellen? Die Frage ist für mich durchaus berechtigt. Als alleinerziehende Mama mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter, die nebenbei noch berufstätig ist, den Haushalt schmeißen muss und ganz gerne auch mal Zeit für den Blog aufwenden möchte, gibt es schon relativ viel zu organisieren. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass das alles ganz entspannt vor sich geht. Also muss ich etwas tun! Birgit Terletzki schreibt in ihrem Buch davon, dass sich dies durch die Veränderung von alten Mustern und Gewohnheiten bewerkstelligen ließe. Also gehe ich doch glatt mal im Kopf durch, welche Gewohnheiten mich unter Stress setzen und wie ich diese Strukturen, die sich in meinem Leben eingeschlichen haben, doch mal bewusst umkehren und für eine Stressminderung nutzen kann. Hmm. Da wäre zum Beispiel die Sache mit dem Aufstehen… Wenn der Wecker klingelt, drehe ich mich gern noch einmal um – diese Zeit ist sogar fest eingeplant und manchmal nicke ich dann doch noch ein, was für meine Laune am Morgen nicht gerade gut ist. Also fange ich hier an! Ich stehe nach dem Weckerklingeln auf, ordne meine Gedanken und komme erstmal an. Die Kinder schlafen derweil noch seelenruhig in ihren Betten. Alles ist ruhig. Zeit für einen Kaffee! Nicht den Kaffee am Frühstückstisch, den ich mir mal eben zwischen Schulbrot schmieren und Tisch abräumen genehmigt habe, sondern einen Kaffee, den ich ganz bewusst genieße und seinen Geschmack buchstäblich auf der Zunge zergehen lasse. Erst danach wecke ich die Kinder. Das bewusste Brechen mit alten Mustern ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber damit wurde mein Kaffee zu einem Luxus bzw. Genussmoment, den ich mir vorher nicht gegönnt habe.

Genuss geht nicht nebenbei und braucht seine Zeit!!! Sei dabei im HIER und JETZT!!!

Feste Abläufe

Und täglich grüßt das Murmeltier! Feste Rituale und Abläufe entstressen, denn vieles geht ganz einfach von der Hand und muss nicht groß durchdacht werden. Diese Weisheit, die eigentlich so logisch ist, habe ich nicht wirklich beherzigt und mich immer von der tickenden Uhr alarmieren lassen. Doch damit ist nun ebenfalls Schluss! Denn zu der Zeit, in der mein Stress am höchsten ist, will ich mich nicht noch zusätzlich durch eine Uhr verrückt machen. Ich muss klar sein und klar handeln, denn dann gibt es weniger Stress mit den Kindern. Wer kennt es nicht… Morgens muss alles schnell gehen: Kinder wecken, ins Bad schicken, teilweise beim Waschen helfen, Frühstück zubereiten, Tisch abräumen, teilweise beim Anziehen helfen, … Die Liste könnte noch ewig fortgeführt werden. Ihr kennt das sicherlich! Auch wenn jeden Morgen theoretisch alles gleich ist, werde ich ständig gefragt, was denn nun zu tun sei oder aber Kind 1 träumt und trödelt vor sich hin – ich wiederum merke das Träumen nicht so richtig, weil ich ja Kind 2 behilflich sein muss und ärgere mich dann nur wieder über die Trödelei der Großen. Also muss eine Änderung her! Die Änderung war ein Tagesplan für die morgendlichen Abläufe 🙂 und der funktioniert!!!

Tagesplan morgensWarum ist mir die Idee nicht schon viel früher gekommen??? Ich brauche nur noch auf den Plan verweisen und der Rest fluppt. Komisch, dass gerade der Plan für die Kinder ein Stück Gelassenheit für mich bedeutet hat… Aber da den beiden nun klar ist, was wann und in welcher Reihenfolge zu tun ist, habe ich weniger Stress und insgesamt sind wir auch viel früher in der Zeit. Wie war das nochmal mit der tickenden Uhr??? Die stört mich nun nämlich nicht mehr!

Alte Muster

So wie ich nun auch mit der Umstellung meines Lebenswandels gekommen bin und so gut ich die Hinweise aus dem Ratgeber-Buch auch für mich persönlich passend gemacht und umgesetzt habe, irgendwann klopft das alte Muster wieder an die Tür: Ich bin mit dem, was ich getan habe, total unzufrieden und stelle mich mal wieder selbst in Frage. ich denke und denke und grüble und grüble und das immer in schier endlosen Gedankenschleifen. Kurzum: Ich stecke fest. Nicht gut!! In so einem Zustand kann kein Mensch gut für sich sorgen, deshalb bedarf es eines GEDANKENSTOPPS. Bei manchen Personen reicht ein bewusstes STOPP zu sich selbst – bei mir leider nicht. Denn schon nach kurzer Zeit geht es wieder los. Für mich hat es sich bewährt, mich auch körperlich mit etwas anderem zu beschäftigen. Wenn ich am Schreibtisch wieder einmal ins Kreisgrübeln gekommen bin, muss ich mich bewegen. Einmal aufstehen und den Raum wechseln – einen Kaffee machen oder den Wasserkocher für meinen Lieblingstee heiß machen. Etwas anderes tun und mit einer Sache verbinden, die mich etwas glücklicher stimmt. Das funktioniert mit jedem Mal besser. Eine gute Möglichkeit, den ständigen Grübeldrang zu unterbrechen, soll auch das Aufsagen eines Mantras bewirken. Eine so genannte Affirmation, die in ICH-Form der blöden Grübelfalle entgegenwirken soll.

ICH BIN GUT SO WIE ICH BIN

ICH DARF FEHLER MACHEN

ICH LIEBE MEINE ARBEIT

Es fühlt sich wirklich ungewohnt und fremd an, aber das eine oder andere Mal hat es mich wirklich weitergebracht und mir ein neues Selbstbild gegeben. Und auch, wenn ich mich mal gar nicht so mag und irgendwie den Eindruck hatte, dass mein Tag absolut daneben war, zwinge ich mich, die Dinge mal andersherum zu betrachten. Auch wenn viel schief gelaufen ist und ich vielleicht nicht ganz ruhig und gelassen war – ich bin ja noch in der Übungsphase – suche ich gedanklich nach den positiven Dingen. Wenn ich abends im Bett liege und ganz nah bei mir bin, danke ich für das, was gelungen ist. Und auch wenn ich an manchen Tagen etwas länger nachdenken muss, es fällt mir immer etwas ein. Es ist so einfach, den Tag positiv abzuschließen, denn am nächsten Morgen habe ich dank meiner veränderten Gewohnheiten wieder einen guten Start in den Tag und bestenfalls ist das Misslungene des Vortages ganz weit in Vergessenheit geraten…

Gelassen sein ist immer noch eine Tugend, die mir in manchen Situationen unerreichbar zu sein scheint, aber ich arbeite jeden Tag daran, mich ihr anzunähern.

Als Grundlage diente mir das Buch „Endlich gelassen leben“ von Birgit Terletzki.

Endlich gelassen leben

Format: eBook und Taschenbuch
Seiten: 116 Seiten 
Verlag: Books on Demand
Erscheinungstermin: 23. Oktober 2015 
 Preis: eBook EUR 0,99 und Taschenbuch 9,99
Weitere Informationen zu diesem Buch, sowie ein Interview mit der Autorin gibt es hier. Einen konkreten Auszug aus dem Buch, der euch auch vermitteln soll, wie ihr Stress im Alltag reduzieren könnt, ist hier einsehbar.

2 Comments on Sei gelassen und geduldig!

  1. Das Buch kenne ich noch nicht, aber Gelassenheit und Geduld finde ich sehr wichtig für den Alltag! Wie oft startet und endet ein (Arbeits-)Tag stressig! Das kann auf Dauer nicht gut sein! Die Tipps im Buch klingen auf jeden Fall sehr hilfreich! Und als ebenfalls Alleinerziehende kann ich bestimmt ein paar davon beherzigen!
    Liebe Grüße
    Jana

  2. Hej, das sind ja prima Tipps! Den Plan zum morgentlichen Ablauf mit den Bildern werde ich mal versuchen umzusetzen, das funktioniert ja auch bei kleinen Kindern. Mit unseren Küstenkindern könnten wir morgens auch besser in der Zeit sein 😉 Vielleicht kann man diese Methode auch auf andere Bereiche übertragen?

    Viele liebe Grüße, Küstenmami

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