IMG_2633Meine Sonntagsfreude hat heute etwas mit dem Thema Zeit zu tun. „Zeit“ ist nämlich etwas, das in meinem Leben echt zu kurz kommt und ich freue mich daher heute über alle Maßen, dass ich „Zeit“ in Form eines freien Nachmittages geschenkt bekommen habe. Während heute morgen noch alles drunter und drüber ging, sich sämtliche Geräusche und Stimmen überlagerten, schweigt sich nun alles aus.“Bibi Blockberg“, die heute morgen noch aus einem Kinderzimmer in voller Lautstärke quer über den Flur schallte, hext nicht mehr. Das Knarzen des Trampolins, das heute morgen noch in regelmäßigem Takt zu vernehmen war, ist vorbei. Keine trappeligen Schritte eilen über den Flur. Niemand ruft nach mir. Die Mädels lachen oder streiten nicht mehr. Es ist still – ungewohnt still! Die Waschmaschine schweigt, der Staubsauger schaut mich zwar vorwurfsvoll an, bleibt aber stumm, ab und zu kann ich das leise Rauschen der Heizung vernehmen, aber alles Gewohnte ist nicht mehr da. Einzig das beständige Ticken der Wanduhr durchbricht die Stille, wenn ich drauf achte. Es schlecht sich ein Lied in meine Gedanken: „Still“ von Jupiter Jones, das ich immer wieder nach dem Tod meines Vaters vor mich hin gesungen habe. Ein anderes Thema, aber im Kern ähnlich: das Gewohnte verstummt, es schafft Platz für Gedanken. Nun sind meine Kinder quicklebendig – Gott sei Dank – und nur mal einen Nachmittag mit ihrem Vater beschäftigt, aber trotzdem ist die jetzige Stille anders als die abendliche Ruhe, wenn sie in ihren Betten liegen und leise aber regelmäßig atmen.

Ich könnte mich nun zurücklehnen, die freie Zeit und die Stille einfach mal auf mich wirken lassen, aber meine Gedanken rennen dazwischen. Stille und Zeit sind Attribute, die für mich ungewohnt sind, fast auch ein wenig beängstigend – eigentlich bin ich eher ein ruheloser Mensch. Noch gestern wurde ich von einer Freundin ermahnt, mich doch endlich mal auszuruhen und den freien Nachmittag ganz für mich zu nutzen. „Aber so wie ich dich kenne, fängst du wieder mit irgendwas an. Lass die Arbeit liegen und mach mal nichts“, klingt es noch in meinen Ohren. „Ja, das habe ich auch vor“, entgegnete ich noch gestern. Aber nun? Ich stehe neben mir und schreibe um etwas zu tun, um irgendwie aktiv zu sein, um meine Gedanken festzuhalten – aber vor allen Dingen, um mich nicht zu verlieren!

Tja, was mache ich jetzt. Ich könnte in meinem Buch weiterlesen, mir einen Cappuccino-Spezial mit viel Milchschaum zaubern, mich meinem Nähstapel widmen, Line Drawing ausprobieren oder mit meiner Gitarre üben. Ich könnte die Musik laut aufdrehen und durch das Wohnzimmer swingen, ich könnte telefonieren oder spazieren gehen. Ach ich könnte so viel und während ich darüber nachdenke, verstreicht die Zeit… Wo wir auch mal wieder beim Thema sind 😉

Nun sollte das eigentlich ein besonders toller Beitrag zum Thema Sonntagsfreude werden und irgendwie wirkt das bereits Geschriebene sehr melancholisch. Aber das bin nun mal ich. Ich freue mich und jubele über das Geschenk der freien Zeit und je mehr ich nachdenke, desto weniger weiß ich mit mir anzufangen. Doch damit ist nun Schluss! Es ist ein Geschenk und als solches macht es mir Freude. Ich trete mir nun selbst in den Hintern und verbringe wundervolle Stunden mit mir! Was ich mache, ist jetzt egal. Alles wird sich fügen, sozusagen alles nach seiner Zeit 😉 Ich mache mir einen schönen Nachmittag und nehme ihn als persönliche Belohnung für eine anstrengende Woche, auf die ich ausnahmsweise mal nicht zurückblicken möchte. Mein Fokus ist die Krönung der Woche: der freie Sonntagnachmittag <3

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0 comments on #Sonntagsfreude

    • Liebe Erika,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Es war in der Tat eine Herausforderung. Ich habe sie eine Weile sogar genossen: mit einer heißen Tasse Tee in einer Decke eingemummelt im sonnigen Eckchen meines Gartens 🙂
      Liebe Grüße aus Deutschland

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