Das echte Leben hat für mich im letzten Jahr eine ziemlich hohe Priorität gehabt. Limalisoy als Blog stand dafür ziemlich im Hintergrund. Posts hatten weniger mit uns persönlich zu tun, auch wenn ich immer wieder persönliche Noten in meine Beiträge eingeflochten hatte. Virtuell gesehen, gab es aber nicht viel über uns. Natürlich gibt es dafür einen Grund…

Das echte Leben – ein Jahresrückblick

Sommerferien, Fahrradtour, Radtour mit Kindern, Familienleben
Es sind Ferien. Gerade komme ich im Ferienmodus an und lasse mal so Revue passieren, wie mein Jahr an mir vorbeigerauscht ist.

  • Neue Heimat: Wir wohnen nun etwas länger als ein Jahr auf dem Dorf und sind sehr zufrieden. Das Dorfleben kenne ich aus meiner alten Heimat und nun ist es auch fernab davon zu meiner neuen Heimat geworden. Ich freue mich täglich über die neu gewonnene Lebensqualität. Auch die Kinder sind hier prima angekommen. Allein die Entwicklung der Kleinen in punkto Selbstständigkeit ist enorm. Im Vereins- und Dorfleben sind wir aktiv und freuen uns über die Leichtigkeit, mit der wir hier Kontakte knüpfen. Auch wenn im und ums Haus noch einiges zu tun ist – never ending Bauphase …- genießen wir das, was wir größtenteils selbst auf die Beine gestellt haben.
  • Schulwechsel: Der Schulwechsel hat mir sehr gut getan. Von einem größeren System mit mehr als 200 Schülern nun zu einer kleinen Dorfschule mit gerade einmal 68 Schülern. Für mich ist es genau das Richtige, obwohl man im kleinen Kollegium natürlich viel mehr Aufgaben und Verantwortungen hat. Auch meine Klasse ist total klasse und zeigt mir jeden Tag, warum es sich gelohnt hat, mit 29 Jahren ein Studium mit Kind zu wagen.
  • Depression: Obwohl es mir sehr gut geht, kommen immer wieder dunkle Wolken auf. Das ist okay so, denn auch diese Tage gehören zum Wohlbefinden dazu. Hätte ich nur gute Tage, könnte ich viele Dinge vielleicht nicht so wertschätzen wie jetzt. Doch glücklicherweise gehen die dunklen Phasen meistens schnell wieder vorbei. Nur im Winter hatte ich eine längere Phase, in der ich wieder einmal nur funktionierte. Aber auch diese Phase habe ich angenommen, sie akzeptiert und gehen lassen.
  • Laufen: Anfang Juni habe ich meine Laufschuhe nach fast zwei Jahren wieder hervorgeholt. Ich wollte schon länger wieder starten, hatte meinen Schweinehund im Alltag aber nicht bezwingen können. Da meine Jüngste jedoch einen bewundernswerten Sponsorenlauf hingelegt hatte, kam der imaginäre Tritt in den Hintern gerade recht. Denn dieser Lauf hatte zur Folge, dass wir die Kleine in diesem Bereich unterstützen wollten. Als Familie haben wir uns bei einem Waldlauf angemeldet und dann kam das eine zum anderen. Nun laufe ich wieder regelmäßig und schaffe auch 10 km wieder recht locker. Für den nächsten offiziellen Lauf sind Töchterchen und ich schon angemeldet…

Ein Alltag wie jeder andere?

Wie so oft im Leben, mache ich mir meine Probleme selbst. Ein vollgepackter Alltag durch durchorganisiertes Timing, das hat doch jeder selbst im Griff, oder? Muss doch aber nicht sein – so sieht es der Mann im Hause. Selber Schuld, wenn ich den Kindern Hobbys ermöglichen möchte, die zur Folge haben, dass ich sie dazu fahren muss…

Dabei fing alles recht harmlos an: Meine Älteste spielt seit knapp vier Jahren Handball. Mittlerweile ist sie dabei so gut geworden, dass sie neben dem Vereinstraining zusätzlich am Leistungstraining für Talente der ganzen Region teilnehmen darf. Nur einen regelmäßigen Trainingsort kann sie selbstständig aufsuchen, bei allen anderen Trainings muss ich sie fahren.

Doch auch die Kleine hat seit fast einem Jahr Gruppen gefunden, in denen sie Freizeitaktivitäten nachgehen kann. Das war gar nicht leicht, denn aufgrund ihrer Sensibilität und der damit verbundenen Angst vor Menschen, neuen Herausforderungen und Unsicherheiten, wollte sie auch den liebsten Interessen nicht regelmäßig nachgehen. Doch nun ist sie gleich mehrfach aktiv. Leider ist auch davon nicht alles allein zu erreichen. Wenn dann auch noch Termine für Kieferorthopädie, Zahnarzt oder sonstwas dazu kommen, ist für mich der Tag nahezu „gelaufen“. Diesen Alltagsstress haben sicherlich auch andere Familien. Mich schlaucht er teilweise aber sehr. Abends bin ich dann über jede ruhige Minute froh. Zum Füllen des Blogs kam ich daher gar nicht mehr…

Die Sache mit dem Blog

Als ich den Blog im November 2014 startete, war dies ein Experiment. Ich wollte etwas ausprobieren, mich virtuell ausleben und einfach mal schauen, was so geht. Eine Art Hobby als Ausgleich zum echten Leben, in dem es zu diesem Zeitpunkt – neben dem Familienleben – hauptsächlich ums Lernen ging. Das Herausfinden von Möglichkeiten mit WordPress machte mir Spaß und auch der Blick auf Aufrufzahlen brachte mich zum Staunen. Dass irgendjemand (außer eingeweihten Bekannten) lesen wollte, was ich so schreibe, war schon aufregend. Recht schnell schrieb ich mir dann auch Ballast von der Seele und ließ euch an meinem Seelenleben teilhaben. Die Reaktionen darauf – liebevolle E-Mails, Kommentare und Möglichkeiten der Mitwirkung durch Gastbeiträge etc. – haben mich nahezu fliegen lassen. Irgendwann kamen speziellere Familienthemen dazu und dann entwickelte sich das Ganze hier auch kommerziell. Ich meldete ein Gewerbe an, konnte eine eigene Domain erstellen und arbeitete kostendeckend, damit das Hobby sich von allein trägt. Doch dadurch verlor ich auch ein wenig den Draht zu mir selbst.

Die Sache mit den neuen Datenschutzverordnungen sollte für mich und das Bloggerleben den Schlussstrich markieren. Aber nach dem Blick auf die Zugriffszahlen wollte ich dann doch nicht aufgeben. Auch wenn ich nichts Neues schreibe, finden immer noch Leser den Weg zu den Themen wie Depression oder DIY. Das alles löschen wollte ich dann auch wieder nicht. Aber ich trete ein paar Schritte zurück und schreibe eben nicht mehr regelmäßig. Ein paar Aufträge habe ich noch und auch die Älteste wollte hier mal etwas schreiben. mal sehen, was passiert. Ein Jahr gebe ich dem Ganzen hier noch und dann überlege ich neu. Was sich im Familienleben so getan hat, kann ich aber jetzt schon mal verraten…

Grenzenerweiterung – Willkommen in der Wackelzahnpubertät

Als ich den Begriff „Wackelzahnpubertät“ erstmals gelesen habe, musste ich schmunzeln. Sowas gibt es doch gar nicht. Bei meiner Ältesten kam das zumindest nicht so richtig vor. Doch meine Kleine scheint dies so richtig auszukosten.

Als Kleinkind hatte sie sich bei Unmut auch im Supermarkt schreiend auf den Boden geworfen – ein richtiges Wutkind eben. Das auszuhalten, war wirklich schwierig. Aber wir sind durch diese Phase hindurch gekommen. Im Kindergarten gab es hin und wieder schwierige sensible Situationen, doch es wurde stetig besser. Damalige Veränderungen im Familienleben machten ihr zu schaffen und sie freute sich sehr, als auch dies wieder in ruhige Gewässer geführt wurde. Die anstehenden Veränderungen durch Hausbau, Umzug und Kindergartenabschied hat sie verhältnismäßig gut mitgemacht. Doch dann kam ein entwicklungsmäßig unglaublich starkes Jahr. Schleichend setzte die „Wackelzahnpubertät“ ein… Die vorzeitige Einschulung war für sie kein Problem. Erinnert ihr euch noch, was ich mir wegen der vorzeitigen Einschulung den Kopf zerbrochen hatte?

Cars Schultüte selber nähenIm Nachhinein war es genau die richtige Entscheidung! Sie ist aufgeblüht, hat sich mega toll entwickelt und hat recht schnell neue Freunde gefunden. Das ist schon mal was besonderes, denn als eher abwartender Charakter war das früher nicht so ihr Ding. Mit den neuen schulischen Herausforderungen und den damit verbundenen Umständen kam ein großer Schritt in die Selbstständigkeit hinzu. Zur Schule muss sie mit dem Bus fahren und sich auch in einigen anderen Belangen allein unter Beweis stellen. Zu Verabredungen in der Nähe benutzt sie nun ihr Fahrrad und orientiert sich auch im Straßenverkehr. Die vielbefahrene Bundesstraße überquert sie – wenn die Fußgängerampel mal kaputt ist – mittlerweile recht sicher. Das hatte zur Folge, dass man sie nun öfter mal suchen muss. Denn weil sie nun so mobil ist, ist sie dann einfach mal weg: Spielplatz, Freundin, Lieblingsstelle am Bach. Immerhin drei markante Punkte, an denen ich sie meistens finde. Wenn ich dann mal ermahnend daran erinnere, dass sie Bescheid geben soll, ernte ich ein „Na schön, dann nächstes Mal“. Dabei macht der Ton bekanntlich die Musik… Aber auch das scheint für diese Phase charakteristisch zu sein. Ein „Nein“ hat sie noch nie gern gehört, jedoch meistens ohne Weiteres akzeptiert. Nun versucht sie, alles auszudiskutieren. Auf Diskussionen bin ich aber schon bei meiner Älteren „reingefallen“. Dieses Mal gehe ich mit kühlerem Kopf in solche Situationen – sehr zum Missfallen meiner Jüngsten. Denn ein „Nein“ bleibt ein „Nein“ und dann werden die Türen geknallt. Doch letzten Endes gibt es das ja nicht so oft – nur wenn es sein muss – denn eigentlich freue ich mich ja sehr über diese Selbstständigkeit und die damit verbundene Grenzenerweiterung…

Pubertät – die Ablösung beginnt

Grafitti, Schulprojekt, Pubertät, HobbyDas mit den Grenzen und der Erweiterung betrifft auch meine Älteste. Auch wenn ich mit 11,5 Jahren noch wesentlich weiter von pubertärem Verhalten entfernt war, ist meine Älteste mittendrin. Das mit dem Türenknallen kann sie nämlich noch viel besser als die Kleine und auch das Diskutieren lässt sie nicht sein. Doch ich habe dazu gelernt. Natürlich soll nun der Prozess der Ablösung von den Eltern beginnen. Ich begrüße es, wenn die Große eigene Entscheidungen trifft – auch wenn ich sie nicht immer gut heiße – aber ich bemühe mich immerhin, sie in manchen Dingen einfach mal machen zu lassen. Ich gebe zu, dass mir das noch sehr oft schwer fällt. Aber wie sagte man es mir so schön: Schutzkappen für Tischkanten sind toll, aber wenn Kinder nicht lernen, sich weh zu tun, haben sie vor solchen Herausforderungen keine Angst und sind weniger achtsam. Natürlich sind wir aus dem Tischkantenalter heraus, aber es lässt sich ja übertragen.

Also setze ich jetzt feste Regeln, die keinerlei Diskussion bedürfen. Konsequenzen gibt es und diese sind auch klar. Dann wiederum gibt es auch Ausnahmen und Möglichkeiten. Aber der schmale Grat zwischen Krieg und Frieden ist nicht immer so einfach zu passieren. Es knallt hier sehr oft und das Thema „chill doch mal!“ hat für uns eine schier gegensätzliche Bedeutung. Teilweise treibt es mich an den Rand des Wahnsinns, aber letztendlich sind mir viele Situationen gute Lehrmeister. Kinder triggern häufig tiefliegende eigene Pakete, die entpackt werden müssen. Damit kann ich manche pubertäre Kracher immer auch als Aufforderung der Arbeit mit mir selbst ansehen. So gesehen habe ich also jede Menge zu tun.

Das echte Leben 2019

Wie wohl das echte Leben in einem Jahr aussehen wird? Ich nehme mir mal vor, auch in einem Jahr wieder darüber zu schreiben. Bis dahin schreibe ich vielleicht auch hier mal wieder, denn irgendwie macht es ja Spaß.

Für jetzt mache ich erstmal Ferien, denn bald sind sie wieder vorbei. Die Zeit vergeht ja echt schnell…

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