Tiere sind etwas Wunderbares! Selbst wenn wir keinen Hund haben, weiß ich doch, wie wertvoll sie sein und gerade auch depressiven Menschen helfen können.

Meine Mulle-Kinder und ich sind nun in der Kur angekommen und finden uns sowohl in der Umgebung als auch in den verschiedenen Gruppen und Einrichtungen zurecht. Hier sollen wir zur Ruhe kommen und die Vergangenheit aufarbeiten. Während wir diese Zeit fernab des heimischen Trubels genießen, kämpfen andere genau in diesem Setting. Ihr wisst ja bereits, dass eine dunkle Zeit hinter mir liegt und ich sehr viel Wert auf Aufklärungsarbeit zum Thema #Depression lege. Umso mehr freut es mich, dass ich mit meiner eigenen Krankheitsbiografie Menschen erreicht habe, die nur noch einen kleinen Funken davon entfernt waren, sich ihren „Schmerz“ von der Seele zu reden.

Ich freue mich daher ganz besonders, dass sich Katrin für diesen Beitrag ein Herz gefasst hat und über ihre Erfahrungen mit der schwarzen Klaue schreibt. 

Depressive Episoden das ganze Leben

Mein ganzes Leben durchzieht sich mit traurigen oder wie man fachlich richtig sagt, depressiven Episoden. In meiner Jugend empfand ich meine Depris immer als schön und zelebrierte sie. Ich dunkelte mein Zimmer ab, hörte traurige Musik über Kopfhörer und ließ auch mal den Tränen freien Lauf. In einem meiner Tagebücher steht: „Heute schreibe ich mal nur positive Sachen auf…“ Dem Vorsatz folgte eine halbe leere Seite, denn es wollte mir absolut nichts einfallen, stattdessen schrieb ich belustigt mein letztes Missgeschick auf. Für die Interessierten: Ich fiel im zarten Alter von 16 – warum auch immer – über einen Findling so groß wie ein Mensch, na gut ein Kind. Ein menschliches. Der Findling war allerdings unmenschlich, hart und spröde und ich hatte ihn einfach nicht gesehen. Da lag ich dann mit abgeschürften Beinen und unnötig zu erwähnen, dass mich durch die Scheibe eines Friseurs fünf Augenpaare ansahen. Augenpaare mit Hauben. Hässliche Hauben.

positiv Denken in depressiven Phasen

Und so geht es mir noch heute, ich habe Schwierigkeiten, positiv zu denken. Viele Gedankengänge enden in Worstcase-Szenarien oder auch im Nichts. Da ist dann Leere. Trostlose, schwarze Leere. Das Dasein fällt unheimlich schwer. Es ist ein mundwinkelhängendes, unmotiviertes Dasein. Ich spüre nur Sinnlosigkeit. Man findet mich dann gern liegend, selten in Bewegung. Denn auch Bewegung wird in Frage gestellt. Jegliche Form der Betätigung ist zu viel. Ich weiß, dass ich ein lebendiger Mensch bin, ich lache gern, liebe das Leben – aber eben nicht immer. Dann bin ich müde und so erschöpft. Und ich bin froh, dass die Kinder auch mal allein in die Küche gehen, um sich zu versorgen. Sie sind alt genug und sie nehmen ganz viel Rücksicht. Und es tut mir gleichzeitig so leid, dass ich so eine Rumliegmutter bin. Ich schraube mich selbstgeißelnd mit fiesen Schmerzen hoch, schleppe mich durch das Haus, der Hund muss seine Gassirunde gehen. Weil ich so verpeilt bin, suche ich immer die Leine. Und wo ist schon wieder das verfluchte Halsband? Was soll´s, es geht auch ohne. Der Hund hört nämlich sehr gut. Zu meinem Erstaunen.

Der Hunde als Spiegel der Seele

Aber bis dahin war es ein weiter Weg. Denn, wenn es mir nicht gut ging, hörte mein Hund einfach nicht. Er buffte und besprang mich, forderte mich heraus. Der Hundetrainer brauchte nur wenige Stunden für die Diagnose: Ich war nicht Chef. Der Hund spürte meine innere Haltung zu allem. Ich ließ leben, geschehen. Ich musste lernen, wieder selbstbestimmt zu handeln, mich innerlich zu straffen. Konsequent auch meinen, was ich sage. Es klingt einleuchtend und simpel, aber es ist schwer umzusetzen. Wenn man keine Meinung zu seinem Leben hat, selten Licht sieht und gern im Schatten rumlungert, ist aktives und konsequentes Handeln schwer. Faszinierend, dass Hunde das sofort spüren. Meiner Katze ist mein Gemütszustand eher egal, sie legt sich dann lieber gleich zu mir und findet es toll, dass jemand mit ihr abhängt.

Wie Hunde depressiven Menschen helfen können

Wer hätte es also gedacht, das Hundetraining war von nun an meine Therapie.

gefunden bei der fotocommunity
gefunden bei der fotocommunity

Aufgrund meiner mittlerweile eingetretenen Therapiemüdigkeit, überlegte ich nämlich bereits, ob ich meinen Psychologen therapiere. Immerhin waren wir uns oft einig, dass die anderen die Verrückten sind. Er musste ja nicht wissen, dass es sich auch auf ihn anwenden ließ. Immerhin hatte ich ihn ab und zu so weit, dass er selbstvergessen seine professionelle Fassade fallen ließ und mit mir mitjammerte. Womit sich vielleicht bei einigen die Frage stellt, ob Depressionen lustig sind. Ich sage, manchmal ja.

Ratschläge für depressive Menschen

Depressionen bringen mich immer wieder in skurrile Situationen. Vor allem, wenn gutmeinende Menschen mich mit Tipps und Ratschlägen bewerfen.   

♠ „Sei doch nicht immer so negativ.“
♠ „Reiß Dich doch mal zusammen.“
♠ „Du musst nur wollen!“

Man könnte mit mir auch mongolisch reden, denn diese Sprache verstehe ich leider nicht. Und dann setze ich auch genau so einen Gesichtsausdruck auf. Wie bitte? Was hast Du gerade gesagt? Wie meinst Du das? Kannst Du mir das bitte erklären?
Unnötig zu sagen, wie sehr die Kommunikation oft belastet ist. Man tappt sehr schnell in die Rechtfertigungsfalle. Liebe Depressive: Nicht machen!

Wie ich gegen die Depressionen kämpfe

Mein Kampf gegen die Depression, die mir bereits zwei mal als mittelschwer diagnostiziert wurde, dauert immer noch an. Erst seit letztem Jahr traue ich mich offen zu sagen, dass ich Depressionen habe. Die Krankheit meiner Tochter hat mich fast mein Leben gekostet. Meinen Lebensmut, meine Visionen, meine Pläne. Nach all den vielen Büchern, die ich zum Thema Depression las, halte ich mich für eine Expertin. Das Thema Hochsensibilität kreuzt dabei immer wieder meine Recherchen. Bin ich etwa hochsensibel? Ich sage ja und seitdem geht es mir auch langsam besser. Das Zauberwort heißt Selbstbestimmung. Egal, was das Schicksal mir vor die Füße schmeißt, seien es Findlinge oder fiese Krankheiten, ich möchte wieder selber leben, bestimmen, was mich ausmacht, was ich mache, wie ich es mache. Allerdings wird mir dabei als Hochsensible nie ein dickes Fell wachsen. Das ist schlichtweg unmöglich. Ich kann nur an Strategien feilen und nach neuen Wegen suchen.

Mehr Akzeptanz für depressive Menschen

Zum Schluss möchte ich noch mal ganz deutlich sagen, dass die Welt Depressive nicht verstehen muss, es reicht schon, sie zu akzeptieren. Ich verstehe ehrlich gesagt, auch keine dauerfröhlichen Menschen, aber sie faszinieren mich. Und so reichen auch heute wieder nicht alle Worte der Welt, um das Thema Depression angemessen zu würdigen. Ich arbeite daran.

Katrins Erfahrungen haben mich sehr berührt. Denn was Katrin mit dem Blick auf die Vergangenheit beschreibt, kenne ich nur zu gut. Insbesondere was die gut gemeinten Ratschläge anbelangt! Da ich gelernt habe, mich diesbezüglich abzugrenzen und solche Kommentare oftmals auch als Hilflosigkeit zu interpretieren sind, kann ich solchen Wortbeiträgen souverän entgegentreten. Wäre ich auch jetzt noch akut depressiv, würden mich die gleichen Kommentare nur noch tiefer ins Loch fallen lassen.

Liebe Leute, bitte denkt nach, bevor ihr aus falschem Hintergrundwissen oder aus Hilflosigkeit so etwas sagt und beißt euch dann lieber auf die Zunge als so etwas zu sagen!

Wenn ihr noch mehr über Katrin erfahren möchtet, dann schaut auf ihrem Blog Papmami vorbei. Es gibt allerlei Familiäres und Witziges zu entdecken. Und wer schon einmal was von „Baby-Gadgets“ gehört hat, der ist bei ihr auch an der richtigen Adresse :-).

2 Comments on Wie Hunde depressiven Menschen helfen können

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