Eine Trennung mit Kindern ist selten für immer, denn auch wenn die Erwachsenen getrennte Wege gehen, bleiben sie doch immer in ihrer Verbundenheit zum gemeinsamen Kind beisammen. Natürlich gibt es dabei unterschiedliche Wege, die auch manchmal vor einem Rosenkrieg nicht Halt machen. Doch es muss nicht immer so sein. In 2016 ergab sich für mich eine Wendung, die ich Ende 2014 absolut nicht in Erwägung ziehen konnte.

2016 ist damit ein schicksalhaftes Jahr für uns gewesen, dessen weitreichende Arme der Veränderung auch in 2017 unseren Weg ebnen werden. Auch wenn sich für diesen Blog in 2016 sehr viel ergeben hat – rückt mein heutiger Jahresrückblick eher das Private in den Fokus. Denn gewissermaßen haben sich durch den Blog auch die privaten Konsequenzen ergeben :-).

Eine Trennung ist kein Abschied für immer

Anfang 2015 waren wir nur noch ein Dreimädelhaushalt. Der Papa war etwa 10 km weit weg und dennoch erreichbar. Gemeinsame Sonntage haben wir verbracht, aber irgendwie fügte sich das Bild nicht mehr zusammen. Dennoch zehrte gerade die Kleinste von den gemeinsamen Stunden als vollzählige Familie. Mit der Zeit wurde es zum Krampf, denn als Erwachsene hatten wir uns zu wenig zu sagen. Die gemeinsamen Unternehmungen wurden weniger, Papa-Tochter-Zeit mehr. Nach etwa einem halben Jahr hatte sich das Ganze eingependelt.

Trotz Trennung gemeinsam fürs Kind stark sein

Die erste Wende kam nach unserer Mutter-Kind-Kur im Sommer 2015. Der Abstand tat allen gut und die Übergaben zu den Papa-Wochenenden liefen viel harmonischer ab. Einen Kaffee zu trinken und dem Kind zu zeigen, dass wir als Eltern gut zusammen arbeiten können, wurde wieder möglich. Auch Weihnachten 2015 verbrachten wir als Familie – wider Erwarten recht harmonisch. Zu diesem Zeitpunkt war die Trennung dennoch endgültig. Aber das gute Miteinander stabilisierte sich.

Nach einer Trennung freundschaftlich verbunden sein

Zum Jahresbeginn 2016 begegneten wir Erwachsene uns als „Freunde“, die sich auch über Berufliches etc. austauschten. Nach und nach hatten wir uns wieder etwas außerhalb der normalen Gesprächsthemen zu Kindern und normalem Smalltalk zu erzählen – eine Ebene, die uns einst als Paar gänzlich fremd erschien. Wir gingen gemeinsam essen, lachten oder gingen ins Kino. Es ist halt nicht alles nach einer Trennung verloren, oft nur irgendwo unter Schutt und Asche vergraben. Unser entspanntes Verhältnis übertrug sich auch auf die Kinder. Alles wirkte zwangloser und ein gemeinsamer Familien-Kinobesuch im Frühjahr wirkte nicht mehr aufgesetzt, sondern ehrlich!

Es gibt immer Gründe für eine Trennung

Natürlich bleibt es nicht aus, die Gründe für eine Trennung gemeinsam zu reflektieren. Immer wieder kam etwas auf den Tisch, das wir neutral diskutieren konnten. Es ist so herrlich, sich auf einer sachlichen Ebene zu unterhalten, wenn die unterschiedlichen Gefühle der Trennung lange zurückliegen und größtenteils verarbeitet sind. Ein ehrlicher Austausch ohne gegenseitige Vorwürfe und gegenseitiges Zuhören ist ein Niveau, für das in vielen Fällen erst zeit vergehen muss. Bei uns ergaben sich AHA-Effekte. Doch zu diesem Zeitpunkt war ein Neustart noch kein Thema. Ich war mit meinem Leben sehr zufrieden und steckte viel Energie in meine Projekte für Schule und Blog.

Interesse und Verständnis zeigen

Das entging auch dem Papa nicht und langsam begann er auch, sich dafür zu interessieren. Vormals als „Zeitverschwendung“ abgetan, fing er an, meine Beiträge zu lesen. Besonders die der Depression hatten es ihm angetan, denn das ist nach wie vor ein Thema, das ihm fremd erscheint. Er erlebte mich in meinen dunkelsten Momenten und nahm es nicht ernst. Er hatte keinen Zugang zur Thematik und konnte das mit seinem sehr analytischem Sachverstand nicht greifen. Was Hormone im Gehirn so anstellen, hielt er für Humbug. Doch dann fing er an zu lesen, stellte Fragen und änderte seine Äußerungen. Er überlegte dreimal, bevor er irgendwas sagte, nur um sich vorher zu überlegen, wie etwas auf mich wirken könnte. Auch wenn er in vielen Dingen ein Goldgewinn ist – mit Empathie hat er NULL zu tun. Für depressiv Erkrankte echt tödlich – leider manchmal auch im wahrsten Sinne des Wortes. Denn auch so manches unbedachtes Wort löste bei mir Negatives aus, auch wenn es von seiner Seite aus nicht so gewesen sein musste. Nun gut, das liegt jetzt erstmal hinter uns.

Depressionen Dirk Ludwig
© Dirk Ludwig

Wenn man mit offenen Augen sieht

Liegen die Themen erstmal offen auf dem Tisch und werden nach und nach rationalisiert, steht einer gemeinsamen Basis weniger im Weg. Doch ich als Kopfmensch bin da immer sehr skeptisch und brauche echt lange, um Gefühlen wieder einen Platz zu geben. Ich habe mit offenen Augen einen veränderten Mann gesehen, doch glauben wollte ich das noch lange nicht. Für den Blog ergab sich im Mai eine einmalige Gelegenheit mit dem Besuch der Blogfamilia. Der Mann bot sich an, mit uns zu fahren und mit den Kindern etwas zu erleben, während ich mein Blogding machen konnte. Wer hätte das noch 2015 gedacht? Nach einem Zögern nahm ich das Angebot an. Für alle Beteiligten war dies ein schöner Tag, obwohl wir ja bereits auf dem Hinweg so ein kleines Malheurchen hatten, dass in 2015 noch ein riesiges Drama ergeben hätte. so dass wir merkten, wie leicht unser Familienleben doch sein kann.

Versuch macht klug

Durch diese gute Erfahrung gestärkt, wurde ich mit einem Dänemark-Kurztrip überrascht. Die Kinder fanden es prima und generell war es ein ganz tolles Erlebnis mit viel Zeit fernab heimischer Gefilde. Wir wurden geerdet und fanden wieder Gemeinsamkeiten. Dennoch hielt ich an der Trennung fest – es lief ja gerade sehr gut so.

Urlaub trotz Trennung

Der Sommer wurde zum gemeinsamen Sommer, so dass wir in Zandvoort Zeit als Paar verbrachten und den Grundstein für die gemeinsame Basis legten.

Unsere Trennung war nicht endgültig

Nach diesem Sommer war klar, dass unser Weg doch nicht zu Ende ist. Einmal Trennung und zurück. In mehr als 1,5 Jahren haben wir Differenzen ad acta legen können und bauen nun an einer gemeinsamen Zukunft. nach einem wunderschönen Herbsturlaub in Spanien bauen wir nun das Haus zum gemeinsamen Glück. Auch hierbei hatte ich ziemliche Bauchschmerzen und fand tausend Gründe, diesen Schritt nicht zu wagen. Doch letztendlich: Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen! Und was hab ich schon zu verlieren? Ich war alleinerziehend und kam mit der Situation gut zurecht. Angst vor einer erneuten Situation dieser Art habe ich nicht mehr. Nun leben wir nach dem Motto: Wir haben die größte Krise überlebt, uns weit auseinandergelebt und schrittweise zueinander gefunden. Was also kann uns jetzt noch umhauen? Irgendwann wird es sicherlich wieder Punkte geben, die uns voneinander entfernen, aber wir wissen damit umzugehen und vor allen Dingen, wie wir und wieder annähern können.

Mein Blick auf 2017

2017 wird ein Jahr mit unglaublich vielen Veränderungen: Nach der räumlichen Trennung werden wir im Frühjahr in unser gemeinsames Haus ziehen.

Wir bauen ein Haus, Aluhaustür

Im Sommer werden wir Mädels die Schulen wechseln – die Große und ich verlassen die jetzige Grundschule und die Kleine wird eingeschult. Was dann nach dem Sommer folgt, wird die Zeit zeigen… Mit Sicherheit werde ich darüber schreiben, denn obwohl ich hin und wieder immer kleine Motivationshänger mit dem Blog hatte, werde ich ihn auch in 2017 mit Leben füllen.

Ich danke dir für dein Interesse an dem, was ich hier öffentlich schreibe. Dass du mit Freude liest und Kommentare hinterlässt, macht mich wirklich glücklich! Was wäre ich ohne deine Reaktion? Ein Blog ohne echtes Leben!

Für den heutigen Jahreswechsel wünsche ich dir einen guten Rutsch (aber bitte nicht zu doll) und ganz viel Glück, Zufriedenheit und vor allen Dingen Freude im neuen Jahr!

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10 comments on “Eine Trennung muss nicht endgültig sein”

  1. Das hast Du so schön geschrieben und oftmals führt einem der Abstand wieder vor Augen, was man vermisst und das eine Trennung nicht zwingend eine endgültige sein muss. Schon komisch, dass oft Probleme durch lesen und verstehen behoben werden können und so stellt man sich die Frage, wäre es zur Trennung überhaupt gekommen, wenn man miteinander geredet und dann verstanden hätte. Die Hauptursache ist nämlich oft das nicht reden über Bedürfnisse, Probleme und auch Wünsche.
    Ihr habt Euch wiedergefunden und das ist so schön! Ich wünsche Euch alles Glück der Welt im Jahr 2017 für Eure Familie und für Euch als Paar <3!
    Viele liebe Grüße von Mimi

  2. Schöner Jahresrückblick von dir. Auch mein Mann und ich waren getrennt (allerdings schon in der Schwangerschaft mit der großen) und haben nach viel Arbeit wieder zusammen gefunden.
    Alles liebe für 2017

    • Das freut mich zu hören! Es ist immer Arbeit, aber ich denke, wenn einmal der Weg zurück genau bewusst gewählt wurde, macht das für die Zukunft stark!
      Euch auch alles Liebe fürs neue Jahr 🙂

  3. Moin, Du Liebe,

    vielen Dank, dass Du Dein letztes Jahr und Eure erst getrennte und jetzt wieder gemeinsame Geschichte mit uns teilst. Ich denke, das macht vielen Paaren, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, MUT! Und Mut tut immer gut!

    Ich lese sehr gerne bei Dir und werde das auch in 2017 weiter tun. Alles Gute für Euch und Eure tollen Projekte!

    Viele liebe Grüße vom Mer
    Küstenmami

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