Jahrelang schwimme ich in getrübten Gewässern. Tag für Tag ziehe ich meine Bahnen und schwimme durch das Wasser, das immer mehr störende Partikel angesammelt hat.

Das Leben spielt sich auf dem Grund ab, wo sich geheimnisvolle Wesen verstecken. Algen verbrauchen den Sauerstoff der Oberfläche und schirmen das ab, was im Verborgenen liegt.

Depression, getrübte Gewässer

 

Perspektivwechsel

Das Schwimmen in diesem Fahrwasser fällt mir immer schwerer. Das Trübe des Wassers hat  sich auf meinen Blick übertragen: Ich sehe nicht mehr klar und dennoch lebe ich. Gedanklich lasse ich mich auf den Grund sinken und entdecke dort das versteckte Leben geheimnisvoller Wesen. Hier gibt es kein Licht – alles ist dunkel. In ihrer Gemeinschaft fühlen sich die Wesen stark und schmieden Pläne, wie sie die störenden Partikel und Algen aus ihrem Leben filtern und so mehr Licht auf den Grund ziehen.

Ihr Kampfgeist beeindruckt mich und lässt auch meinen getrübten Blick langsam aber stetig verschwinden. Ich steige aus dem Wasser, der jahrelang mein sicherer Hafen zu sein scheint und schüttele die anhaftenden Partikel ab wie eine zweite Haut.

Vom Ufer sehe ich nun auf meinen geliebten See, beobachte und erinnere mich.

Die Wesen haben sich zum Kampf gerüstet und filtern das trübe Nass. Das Algennetz lichtet sich, die Sonnenstrahlen treffen den Grund und plötzlich spiegelt sich das Sonnenlicht im strahlenden Gesicht des Wassermannes, der sich nach Jahren der Dunkelheit an die Oberfläche wagt.

Hast du schon einmal einen Wassermann gesehen?

Sein Anblick ist kostbar und inspirierend! Er nutzt den richtigen Zeitpunkt und schwimmt sich frei.

Ich nutze die Kraft, die von ihm ausgeht und setze einen Fuß ins Wasser.

Ob ich mich gänzlich freischwimmen kann, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ein Perspektivwechsel einen anderen Blick auf die Dinge wirft und Getrübtes oftmals klarer erscheinen lässt.

 

Dies ist ein Beitrag zum [*.txt]-Projekt und enthält das aktuelle Wort „trüb“.

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2 comments on “In getrübten Gewässern”

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