Als bekennende Leserin der „Nido“ fing mein Auge eine der Überschriften auf dem Cover ein und ließ meine eigene Gedankenwelt zum „Muttersein“ rotieren.

„Ist Mutter sein zu wenig?“ prangte dort in weißen Lettern auf dunklem Hintergrund. Sofort lief in mir ein Film ab. Zeiten, in denen ich diese Frage für mich persönlich mit JA beantwortet habe, lösten sich gedanklich mit Zeiten ab, die meinerseits ein klares NEIN zur Antwort hatten.

Mutter seinMuttersein – unterschiedliche Möglichkeiten heiß diskutiert

Durch diverse Beiträge bei Facebook merke ich, dass dieses Thema immer wieder zur Sprache kommt – gerade auch bei denjenigen, die sich in der #motherhood-Debatte beteiligt haben. Seit einiger Zeit wünsche auch ich mir viel mehr Zeit, um das Muttersein in vollen Zügen genießen zu können und nicht mehr länger als Organisatorin des Familienalltags tausend Alltagsprobleme, Termine oder Haushaltspflichten neben der Berufstätigkeit und den Erziehungsaufgaben bewältigen muss. Es ist aber wie es ist und ich habe es mir selbst ausgesucht. Daher wird dieser Beitrag vordergründig ein Beitrag für mich werden – als Erinnerung dessen, was ich leiste, als gedankliches Innehalten, um meinen Aufgaben gerecht werden zu können und vor allen Dingen als Ergebnis einer bewussten Entscheidung, die meiner persönlichen Zufriedenheit entspricht.

Beruf Mutter und Hausfrau

Was vor Jahrzehnten noch völlig normal war – ich wuchs in solch einer Familie auf – ist für heutige Frauen fast undenkbar. Natürlich ist Bildung das A und O und jeder Mensch sollte danach streben, seine Talente mit entsprechender Bildung auszubauen.

Insbesondere deswegen, um später einmal einen Beruf zu erlernen, der daran anknüpft, Freude bereitet und nicht einfach nur die Existenz sichert.

Das Leben zeigt uns jedoch, dass sich auch hier ein Wandel vollzogen hat. Man lernt eben nicht mal eben einen Beruf, den man bis zur Rente ausübt. Flexibilität ist gefragt und nicht selten orientiert man sich im weiteren Leben auch mal um. Warum schreibe ich eigentlich in der man-Form? Für mich trifft das nämlich auch zu!

Muttersein ist nicht nur ein „Nebenberuf“

In meinem erlernten Beruf (Reiseverkehrskauffrau) habe ich auch solche Wandel vollzogen: Vom Counter mit Kundenbindung an den Tisch hinter den Kulissen beim Reiseveranstalter hin zum knallharten Controlling mit Produktentwicklung – bis mir das Schicksal einen neuen Weg ebnete und ich erstmals Mutter wurde. Meine Tochter wurde im Jahr 2007 geboren. Das Jahr, in dem es erstmalig Elterngeld gab. Das Erziehungsgeld lief aus und gleichermaßen das Erziehungsmodell, in dem eine Mutter drei Jahre ausführlich erziehen durfte. Das durfte sie im neuen Modell auch – jedoch war dies auch an finanzielle Interessen gebunden. Sollte es doch gut überlegt sein, wie das Elterngeld einzuteilen ist… Die Mutter ist ja auch eine gute Arbeitskraft im Motor Wirtschaft und der muss ja auch am Laufen gehalten werden ;-).

Wie lange plane ich meine Elternzeit?

Wie viele Frauen entschied auch ich mich, ein Jahr Elternzeit zu nehmen und nach einem Jahr wieder in den Beruf zurückzukehren. Gott sei Dank – ich muss es wirklich so sagen – hatte das Schicksal auch hier einen anderen Weg für mich geplant. Meine Ehe zerbrach, Baby und ich zogen aus dem gemeinsamen Haus aus und waren allein. Ein schlechter Zeitpunkt, seine berufliche Rückkehr anzutreten! Fürs Muttersein war das aber ein wertvoller Schatz! Denn meine Große und ich hatten so die Möglichkeit, ein unglaublich festes Band zu knüpfen, das hoffentlich auch in der Pubertät bei allen schwierigen Phasen niemals reißt. Nach diesem Wink des Schicksals verlängerte ich also meine Elternzeit, denn ich wollte nur noch eins: Mutter sein! Mit meinem Kind zur Ruhe kommen und ihre rasante Kleinkindentwicklung so lange es eben geht intensiv mitzuerleben.

Wie finanziere ich die Elternzeit?

Mit der verlängerten Elternzeit stieß ich auch an Grenzen – nämlich Grenzen bei Behörden. Um unsere Existenz zu sichern, habe ich amtliche Unterstützung beantragt und da gab es so ein schönes Feld, in dem der Beruf eingetragen werden sollte. Aktuell war ich ja irgendwie auch Mutter und Hausfrau, aber als Berufsbezeichnung gab es das ja nicht. Also schrieb ich meinen erlernten Beruf in die Zeilen und machte deutlich, dass ich definitiv drei Jahre Elternzeit nehmen würde und somit keineswegs vorzeitig in meinen Beruf zurückzukehren gedenke!

Da ich eine verständnisvolle Sachbearbeiterin hatte, waren diese kleine Hürden keine Probleme, so dass in dieser Hinsicht eine halbwegs sorglose Zeit begann.

Als nicht arbeitende Mutter war ich eine Exotin

Doch während andere Mütter meiner Krabbelgruppe längst wieder arbeiteten, war ich die Exotin. Zum einen war ich als Einzige alleinerziehend und zum anderen arbeitete ich nicht. Ich hatte mehr Zeit mit meinem Kind und manchmal bekam ich sogar etwas neidvolle Blicke – einige hätten auch gern länger daheim bleiben wollen, doch der finanzielle Schuh drückte, so dass eine Verlängerung der Elternzeit für sie nicht infrage kam. Während ich also meine Zeit mit meinem Kind genoss und mich auch vormittags auf Spielplätzen, in der Stadt oder anderswo sehen ließ, arbeiteten meine Freundinnen, waren nachmittags oftmals erschöpft und manchmal nicht gerade bester Laune, wenn wir uns zum Kaffeeklatsch trafen. Dafür erzählten sie aber begeistert über ihre positiven Erlebnisse im Beruf und ihrem damit verbundenen Ausgleich zum Familienleben – nicht immer, aber manchmal. Das Muttersein hatte eine ganz andere Rolle für sie als für mich – nicht weniger liebevoll, ihre Quality-Time mit den Kindern wurde nur anders genutzt.

Perspektivwechsel

Als meine Tochter dann zwei Jahre alt war, fehlte mir auch ein kognitiver Ausgleich. Als Mensch fühlte ich mich nicht ausgelastet, ich brauchte eine Aufgabe, die mich auch in anderen Bereichen forderte. Also entschied ich mich nach sehr langen Überlegungen für ein Studium – ich hatte ja noch Elternzeit, was sollte mir also passieren?

Ich fand Gefallen daran und wuchs über mich hinaus – also war ich nun auch nicht mehr nur Mutter, hatte aber dennoch mehr Zeit mit meinem Kind als die anderen. Mit den Jahren wurde das natürlich weniger und auch der Anspruch des Studiums stieg und ließ mich zweifeln – doch rückblickend musste diese Phase sein, um mir klar zu werden, welchen Weg ich gehen möchte.

Die eigene Antwort zum Muttersein

Mutter sein ist toll und alles hat seine Zeit. Jede Phase bringt aber auch Veränderung und nur wenn man gut in sich hineinhört, sind Antworten zu hören. Antworten auf Fragen, die die Gesellschaft stellt, jede Frau aber nur für sich selbst beantworten kann.

Ist Mutter sein zu wenig?

Für mich persönlich ein klares JEIN. Denn manchmal ist es absolut ausreichend, gewinnbringend und wunderschön, einfach nur Mutter zu sein. Wiederum in anderen Zeiten fehlt mir persönlich eine andere Rolle außer der Mutterrolle.

Mit dem zweiten Kind läuft es anders

Ganz besonders deutlich ist es mir nun mit dem zweiten Kind geworden. Die Kleinste kam mitten in der Abschlussphase des Bachelor-Studiums und musste einfach so mitlaufen. Sie kam mit in die Uni und war mit 5 Monaten für die Zeit der Vorlesungen schon bei einer Tagesmutter – es waren nicht so viele Veranstaltungen und ich hatte auch freie Tage, an denen sie nicht bei der Tagesmutter war, aber das brachte das Leben halt so mit sich.

Studieren mit Kind ist möglich!

Während der Masterphase ging sie in die Krippe. Sie hatte keine Wahl, denn ich hatte für mich entschieden, das Studium nicht pausieren zu lassen. Eine Entscheidung, die meinem damaligen strebsamen und zielgerichteten Leben entsprach. In dieser Zeit (zwei Jahre) hat die Kleinste unheimlich viele Erfahrungen sammeln müssen, die sie heute sehr selbständig sein lassen. Trotzdem sehe ich große Unterschiede zwischen Kind 1 und 2. Die Große hatte mich fast drei Jahre intensiv an ihrer Seite, die Kleine nicht. Alles ist immer für irgendetwas gut, da bin ich mir sicher, aber mittlerweile fehlt mir die Zeit, die ich mir und der Kleinen zu Beginn ihres Lebens nicht gegönnt habe. Rückblickend hätte ich gern auch bei der Kleinen eine Erziehungszeit eingelegt und wäre nur Mutter gewesen – ein Wunsch, den ich auch jetzt verspüre und mir immer wieder Gedanken mache, ob ich nicht mal ganz bewusst eine Pause machen und nur Mutter sein soll.

Bewusst Mutter sein

Erst vor wenigen Tagen habe ich mit einer Nachbarin darüber gesprochen und sie um ihre Erziehungszeit mit vier Kindern beneidet. Sie wiederum beneidet und bewundert mich, wie ich alles allein mit den Kindern meistere. Komisches Bild, oder? Wir Menschen neigen viel zu oft dazu, nicht mit dem zufrieden zu sein, was man gerade hat.

Aber wenn ich dann wiederum mit Freunden spreche, kommt gleich ein „DAS kann ich mir bei dir nicht vorstellen! Nach spätestens 6 Wochen fehlen dir die Schüler, die Aufgaben oder aber die persönliche Bestimmung. Du bist nicht der Typ, der mit der Mutterrolle allein zufrieden ist.“ Warum eigentlich nicht? Und mit diesen Gedanken zu meiner persönlichen Zufriedenheit begebe ich mich auf die Suche nach meiner inneren Balance und lade jeden ein, dies mir gleich zu tun. Und dann bin ich mir sehr sicher, dass die gesellschaftliche Frage, die ein großes Thema in der „Nido“ ist, bei jeder Mutter eine andere Antwort bereithält. Wichtig ist allein die Tatsache, dass diese Antwort zufriedenstellend ist. Denn es ist völlig egal, wie sich Mutterschaft für jede Frau definiert, denn wichtig ist einzig und allein die persönliche Zufriedenheit, die dann auch auf den Kindern zugute kommt. Und hoffentlich verschwindet dann die in vielen Köpfen negativ besetzte Auffassung des Wörtchens „nur“, wenn sich FRAU ganz bewusst entscheidet, sich der Mutterschaft voll und ganz zu widmen!

 

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12 comments on “Nur Mutter sein? Das Muttersein kritisch betrachtet”

  1. Jeder sollte tun was er möchte! Und das Wörtchen N U R regt mich seit bald 22 Jahren Mutter-sein tierisch auf. Ja, FRAU kann auch mit BWL-Studium glücklich sein, wenn sie NUR daheim ist und sich um ihre Familie kümmert. – Vielleicht ja gerade deshalb glücklich ist!!!!! Ich beneide keine berufstätige Mutter, die außer Haus arbeiten geht. Das ist doch ganz schön viel Jongliererei. Aber wie gesagt, jede/r soll machen was er/sie möchte. LG Betty

    • Liebe Betty!
      Danke für deinen Kommentar. Ich merke schon, dass ich einen Nerv treffe und hoffe, dass diese Diskussionen mehr Verständnis für jegliche Entscheidungen bringen, die Mütter treffen.
      Ich wünschte, ich müsste meine Entscheidungen als Alleinerziehende nicht vom Finanziellen abhängig machen, aber leider ist es so.
      Wenn es nach mir ginge, würde ich noch weniger unterrichten und mehr bei meinen Kindern bleiben. Aber derzeit ist es so wie es ist…
      Liebe Grüße,
      Yvonne

  2. Sehr gut gesprochen. Denn es ist nicht wertend, sondernd reflektiert geschrieben. Ich denke, dass Alles seine Zeit im Leben hat und wir dementsprechend entscheiden. Im Nachhinein ist man bekanntlich immer klüger und hätte oft anders gehandelt. Doch dieses Bereuen und Vergleichen vieler Mütter, stimmt mich nachdenklich. Jede Frau hat ihre Stärken, Schwächen und Wünsche. Dir war es beim ersten Kind das Bedürfnis, daheim zu sein und beim Zweiten eben nicht. Beides ist in Ordnung, denn beides hatte Gründe und seine Zeit. Ich finde es furchtbar schade, dass wir Frauen uns nicht das jeweils ausgesuchte Modell gönnen. Ich bin derzeit sehr glücklich als Hausfrau, obwohl ich mir das vor Jahren überhaupt nicht vorstellen konnte. Hätte mir damals jemand gesagt, dass es mich eines Tages erfüllen würde, dem hätte ich glatt einen Vogel gezeigt. Ich genieße die Zeit als Vollzeitmutter. Ob sich das irgendwann ändert, kann ich heute nicht sagen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Doch wie du schreibst, muss ich mich oft erklären. Ich gehe weder darin auf, die Fugen meines Bades zu putzen, noch Essensreste aus dem Hochstuhl zu kratzen. Aber Hausfrau sein, bedeutet auch viel mehr. Ich muss mit Geld umgehen können, handwerklich fit sein, das Essen sollte einigermaßen gesund sein und stets für alle da sein. Beide Modelle sollten ihren Platz in der Gesellschaft haben. Wir brauchen Frauen, die beruflich voll durchstarten und auch diejenigen, die zu Hause die Familie umsorgen. Mach weiter so! LG, Sabine

    • Liebe Sabine,
      vielen Dank für deine Worte. An dich habe ich auch gedacht, als ich den Beitrag geschrieben habe. Denn auch du bekommst ja manchmal einige Sprüche und Unverständnis für dein Lebensmodell und lässt uns oftmals daran teilhaben.
      Alles Liebe,
      Yvonne

  3. Wirklich sehr schön geschrieben.
    Ich hab zwar noch keine Kinder.
    Aber ich denke man brauch schon etwas Abwechslung.
    Nur Mutter sein ist glaub ganz schön anstrengend.

    Lg Jasmin

  4. Sehr gutes Thema.

    Ich muss ehrlich sagen, dass mich das Thema immer unheimlich aufregt und ich bin nichtmal Mutter. Früher war das echt nichts außergewöhnliches, wenn Frauen bei ihren Kindern zu Hause geblieben sind und den Haushalt gemacht haben. Heute gibt es leider viele berufstätige Mütter, die mit dem Finger auf Hausfrauen zeigen, so nach dem Motto „Die tut ja nix, die ist ja nur daheim“.

    So etwas mag ich überhaupt nicht und kann ich auch nicht nachvollziehen. Wenn diese Frauen es schaffen, Beruf und Kindererziehung nach bestem ermessen unter einen Hut zu bringen, dann sollten sie stolz auf sich selbst sein, aber nicht andere hinunter machen. Es sollte doch jedem selbst überlassen sein, wie er das handhabt und finde nichts verwerfliches daran, wenn sich eine Frau dafür entscheidet Hausfrau und Vollzeit-Mutter zu sein. Man sollte aber auch respektieren, wenn eine Frau nebenbei beruflich noch etwas erreichen möchte. Wie auch immer, es sollte keine der beiden Möglichkeiten herabwürdigend betrachtet werden.

    LG, Tina

    • Liebe Tina,

      ich danke dir für deine Zeilen – gerade weil du als Nicht-Mutter einen sehr guten und objektiven Blick auf die Sachlage wirfst und den Fokus ebenfalls auf die individuelle Entscheidung legst 🙂
      Liebe Grüße,
      Yvonne

  5. Nur Mutter sein, geht vielleicht, wenn man einen gut verdienenden Mann an seiner Seite hat. Als Alleinerziehende konnte ich mir das nie leisten, zu Hause zu bleiben. Ich hatte auch keine so verständnisvolle Beraterin in Sachen finanzielle Unterstützung. Mir wurde vom Amt immer auf die Füße getreten. Mittlerweile ist meine Tochter groß und ich habe nach dem Studium auch Fuß gefasst, aber mir fehlen die Stunden zu zweit schon ganz schön, wenn wir uns die Woche über meist nur Abends sehen, beide müde und geschlaucht sind und der Tag viel zu schnell rum war! Dann beneide ich „solche“ Mütter auch!

    Liebe Grüße
    Jana

  6. Hallo!
    Ich bin eine vollblutmama, aber trotzdem kam bei mir der Wunsch nach einer Arbeit recht früh auf. Für uns haben wir die perfekte Lösung gefunden : Mein Mann arbeitet vollzeit im zwei schichtsystem und ich arbeite 9,5 Stunden die Woche in Gleitzeit. So kann ich arbeiten gehen und mein Kleinkind selbst betreuen. So fühle ich mich wirklich wohl, da ich beides habe und dennoch so flexibel bin. Ich hatte aber auch sehr viel Glück. Ich wünsche mir dass es mehr Gleitzeitarbeitsplätze geben würde, denn wer kann als Mutter wirklich 100% zeitlich flexibel und zuverlässig für den Job sein?

  7. Hallo limalisoy!

    Es ist halt doch die Quadratur des Kreises: eine höchst individuelle Entscheidung jeder Frau (eigentlich auch jedes Mannes, der Vater wird…), in der die Bedürfnisse des Kindes und der Familie, die eigenen Bedürfnisse z.B. nach Selbstentfaltung, eigenem Einkommen, Selbstbestätigung und Freiheit auf‘ heftigste mit finanziellen, gesellschaftlichen und partnerschaftlichen Faktoren kollidieren… ;-(

    Ich persönlich bin mit meinem ersten Kind mit der festen Absicht in die Elternzeit gestartet, nach 1 Jahr in meinem Job als OP-Schwester zurückzukehren. Nach 6 Monaten hat mich mein damaliger Mann und Vater des Kindes dringend darm gebeten 😉 Ich fühlte mich schon arg unausgefüllt. Damals – 13 Jahre her – scheiterte es am „Einstellungsstopp“ der Krankenhäuser – mein Chef war froh um jede Stelle, die er streichen konnte. Teilzeit abgelehnt, O-Ton: „Teilzeit brauche ich Sie nicht!“.

    Nachdem sich dann Kind Nr. 2 ankündigte, trafen mein Mann und ich eine Absprache: ich bilde mich in der Elternzeit fort – er startet beruflich richtig durch – der Facharzt stand an. Ist der zweite dann im Kindergarten, steckt er beruflich zurück und ich studiere oder kehre in neuer Position is Krankenhaus zurück.

    Tja, erstens kommt alles ander:
    Ich wurde sehr krank nach dem zweiten Kind, Rheuma. Für meinen erlernten Beruf berufsunfähig. Die Ehe zerbrach dann auch gleich daran, inklusive existenzieller Nöte, weil die Scheidung mehr als bitter verlief.

    Aufwärts ging es dann mit der Idee, EU-Rente zu beantragen. Und nun bin ich allein – mittlerweile mit vier heißgeliebten Kindern (aber irgendwo muss jetzt auch Schluss sein!)- und habe durch die Krankeit, die mich natürlich einschränkt und täglich Beschwerden bereitet, eine gewisse finanzielle Freiheit, meine Kinder als Vollzeit-Mama begleiten zu können UND mich fortzubilden. Es besteht derzeit wenig reale Chance, beruflich wieder einsteigen zu können – aber allein der kognitive Ausgleich tut mir gut.

    Toller Artikel, wirklich sehr reflektiert – und sympathisch – geschrieben. Es wäre schön, wenn sich die blödsinnigen „Fronten“ zwischen uns Frauen und Müttern abbauen liessen – leben und leben lassen, oder?
    Liebe Grüße
    C.

    • Hab recht vielen Dank für deine ausführlichen Worte.
      Dein Schicksal klingt nicht leicht und doch bewundere ich die Kraft, die von deinen Zeilen ausgeht.
      Ich gehe mal einfach davon aus, dass die Krankheit für dich und deine Kinder gleichsam eine Chance darstellt – Rücksichtnahme, Grenzen, eigenes Leistungsvermögen und Zielstrebigkeit bekommen deine Kinder bestimmt ganz nebenbei mit, so dass sie sicherlich viel für ihr eigenes Leben mitnehmen können. Scheidung ist oftmals ein sehr bitteres Thema und gleichzeitig auch ein Neubeginn. Für mich ja auch: Fällt irgendwo eine Tür zu, wird an anderer Stelle eine Tür geöffnet.
      Wer weiß0, ob du ohne die Schicksalsschläge (Krankheit und Scheidung) den gleichen Weg gegangen wärst, der dich jetzt als Mutter und Frau so glücklich stimmt…
      Ich wünsche dir alles Glück, das du dir wünschst und ganz viel Genuss derjenigen Momente, die es wert sind, genossen zu werden 🙂
      Alles Liebe, Yvonne

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